Lukas Dauenheimers steht mit verschränkten Armen vor dem Ninja Warrior Germany Logo Lukas Dauenheimers steht mit verschränkten Armen vor dem Ninja Warrior Germany Logo
Foto: © TVNOW / Markus Hertrich
01.05.2021
Sport

Ninja Warrior Germany

Lukas Dauenheimers Comeback im Run durch den Parcours und gegen die Zeit!

Redaktion: Jessica Sindermann

So komplex der Parcours ist, so einfach sind die Regeln von „Ninja Warrior Germany“: Wer das Wasser berührt, ist raus! Mensch gegen Parcours. Von rund 13.000 Bewerber*innen bekommen nur Wenige jedes Jahr die Chance, ihr Können in „der stärksten Show Deutschlands“ unter Beweis zu stellen: Der 22-jährige Lukas Dauenheimer ist einer davon. Bouldern, Hangeln und Klettern sind für den gelernten Bauzeichner aus Mönchengladbach seit seiner erfolgreichen Teilnahme an der 5. Staffel im letzten Jahr längst keine Fremdwörter mehr und ein fester Bestandteil seines Alltags geworden. Was im Fernsehen so simpel aussieht, verlangt ihm harte Arbeit und einen unbeugsamen Willen ab, denn die Hindernisse in der Show sind vielfältig und erfordern eine umfangreiche Vorbereitung! Doch dass das Schicksal es trotz allem Fleiß nicht immer gut meint, hat der junge, talentierte Athlet am eigenen Leib erfahren müssen: Der Mönchengladbacher Ninja-Kämpfer Lukas Dauenheimer spricht im Interview über harte Rückschläge, Kampfgeist und sein geplantes Comeback!

HINDENBURGER: Gibt es einen Moment in der letzten Staffel, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Lukas Dauenheimer: Auf jeden Fall! Es gibt natürlich mehrere Momente, aber einer davon ist sicher der, in dem sich entschieden hat, dass ich als „Neuling“ ins Finale der 5. Staffel von Ninja Warrior Germany einziehen darf! Das war für mich überwältigend.

HINDENBURGER: Wie war es für dich, deine erste Teilnahme zu Coronazeiten zu absolvieren?

Lukas Dauenheimer: Leider kenne ich den Vergleich zu Vorher lediglich aus dem Fernsehen, aber von anderen weiß ich, dass es natürlich wesentlich lockerer war als zu Zeiten der Pandemie. Alle Hygienemaßnahmen mussten bei uns strengstens eingehalten werden. Das bedeutete: regelmäßige PCR-Tests, Abstand einhalten, Maske tragen und ohne die Unterstützung unser Familien Vorort antreten. Das fand ich sehr schade, da die Motivation mit Sicherheit nochmal eine ganz andere ist, wenn die wichtigsten Menschen live dabei sind. Aber alle Athlet*innen haben sich untereinander angefeuert und die Stimmung war dadurch trotzdem toll!

HINDENBURGER: Im wahren Leben arbeitest du als Bauzeichner. Wie stressig ist es, plötzlich vor einem Millionenpublikum im TV zu performen?

Lukas Dauenheimer: In der Show hatte ich tatsächlich gar nicht das Gefühl, vor einem Millionenpublikum etwas zu zeigen. Daher habe ich es nicht als stressig empfunden. Die vielen Kameras nimmt man ab dem Startsignalton nicht mehr wahr und ist nur noch auf sich selbst konzentriert. Eine Art „Tunnelblick“ lässt einen alles andere vergessen.

HINDENBURGER: Du hast dir während eines Runs vor laufender Kamera eine schwere Verletzung zugezogen, was ist passiert?

Lukas Dauenheimer: Das stimmt leider! In der Vorrunde habe ich mir mitten im Parcours, am Tunnelsprung 2.0, das linke Schultergelenk ausgekugelt. Ich habe dann die Zähne zusammengebissen und konnte das Hindernis trotz starker Schmerzen zu Ende bringen. Leider ließ der Arzt sehr lange auf sich warten und ich stand unter Zeitdruck. Also habe ich mich kurzerhand dazu entschlossen, mir die Schulter durch ein kräftiges Ziehen an meinem Arm selbst wieder einzurenken! Das hatte ich zuvor einige Male gehört und zu meinem eigenen Glück funktionierte es dann auch.

HINDENBURGER: Was für Gedanken und Emotionen haben dich in diesem Moment begleitet?

Lukas Dauenheimer: Ich wusste ja, dass mit meiner Schulter etwas nicht stimmte und das ärgerte mich sehr! Aber den Schmerz konnte ich durch das Adrenalin währenddessen ganz gut verdrängen und mein einziger Gedanke war dann, dass Aufgeben keine Option ist und das meine Chance war um allen zu zeigen, was ich drauf habe.

HINDENBURGER: Hast du darüber nachgedacht, unmittelbar danach auszusteigen?

Lukas Dauenheimer: Nein. Für mich stand eigentlich sofort fest, dass ich in der nächsten Runde antreten werde, egal was ist. Wenn, dann wollte ich durch den Fall ins Wasser ausscheiden, wie alle anderen auch, aber nicht durch meine eigene Entscheidung. Meine Schulter habe ich dann in den Tagen zwischen Vorrunde, Halbfinale und Finale entsprechend geschont und getapt, damit sie sich etwas regenerieren konnte.

HINDENBURGER: Du bist trotz lädierter Schulter sehr weit gekommen, bis ins Staffelfinale. Wie ging es danach für dich weiter?

Lukas Dauenheimer: Nachdem die Schulter mir schlussendlich im Finale erneut raus gesprungen ist und ich verletzungsbedingt ausscheiden musste, habe ich gleich am nächsten Tag einen MRT Termin vereinbart. Bei dem stellte sich heraus, dass sowohl die Gelenklippe gerissen, als auch der Gelenkkopf beschädigt war. Insgeheim habe ich natürlich gehofft, dass es etwas ist, was ohne Operation und durch entsprechende Übungen abheilen kann, aber dem war leider nicht so. Eine Operation wenige Wochen nach dem Staffelfinale war unumgänglich.

HINDENBURGER: Was hast du zur Rehabilitation getan?

Lukas Dauenheimer: In den ersten 6 Wochen nach der Operation musste ich eine Schlinge tragen und durfte die Schulter zunächst nicht belasten, damit alles einwandfrei verheilen konnte. Ich wusste, diese Phase ist mit die Wichtigste. Danach hieß es dann jede Woche: Physiotherapie. Ich hatte einen tollen Physiotherapeuten, der mich unterstützt und immer wieder an meine Grenzen gebracht hat. Insgesamt war es aber eine sehr herausfordernde und anstrengende Zeit. Nach etwa drei Monaten gab es erstmalig einen Zeitpunkt an dem ich dachte „Ich kann nicht mehr!“ Es ging nichts mehr. Ich hatte starke Schmerzen, habe keine Fortschritte mehr gesehen und musste immer wieder gegen meinen eigenen Körper ankämpfen. Als jahrelanger Sportler war das wirklich niederschmetternd: das viele, harte Training und die Schmerzen, die ich bis dato ausgehalten hatte, sollten sich doch schließlich auszahlen! Besonders in dieser Zeit war meine Familie für mich die größte Stütze und hat mich immer wieder dazu ermutigt, weiterzukämpfen! Schlussendlich hat sich das auch gelohnt. Jetzt, ein dreiviertel Jahr später, kann ich wieder normal trainieren und die Schulter voll belasten. Teilweise habe ich sogar das Gefühl, dass meine linke Schulter durch das viele gezielte Training inzwischen stärker ist als meine Rechte.

HINDENBURGER: Wie kam es zu der Entscheidung, trotz des harten Rückschlags und der schweren Operation dieses Jahr wieder antreten zu wollen? Hast du mehr Respekt vor dem Parcours?

Lukas Dauenheimer: Für mich war eigentlich auch nach alldem klar, dass ich früher oder später wieder antreten werde! Ich erinnere mich noch genau, dass die erste Frage an meinen behandelnden Arzt war, was ich tun muss, um den Ninja-Sport wieder ausüben zu können. Entgegen der Meinungen vieler anderer Ärzte versicherte er mir, dass eine Teilnahme an der Show auf jedem Fall irgendwann wieder möglich sei. Dass dieser Zeitpunkt so schnell eintritt und ich mich heute fit und gewappnet fühle, in der 6. Staffel wieder ins Rennen zu gehen, hätte ich im letzten Jahr selbst nicht für möglich gehalten! Sollte ich in diesem Jahr wieder antreten dürfen ist es auch für mich eine Überraschung, wie meine Reaktion auf den Parcours dann ausfallen wird. Natürlich habe ich großen Respekt, aber ich bin bereit, diese Herausforderung anzunehmen!

HINDENBURGER: Wie bereitest du dich auf die neue Show vor, die im Juni gedreht werden soll?

Lukas Dauenheimer: Das ist leider zurzeit gar nicht so einfach, da alle Ninja-Sport-Hallen, in denen wir Athlet*innen normalerweise trainieren und auch die Fitnessstudios geschlossen sind. Glücklicherweise habe ich letzten Sommer mein Gartenhaus umgebaut und mir durch variable Module an der Decke, neben dem eingerichteten Fitnessraum im Haus, eine zusätzliche, speziell auf den Ninja-Sport ausgerichtete Trainingsmöglichkeit geschaffen.

Wir wünschen dem zielstrebigen Mönchengladbacher weiterhin alles Gute und viel Erfolg für seine Teilnahme an „der stärksten Show der Welt“!