VfL-Trainer Marco Rose steht wegen des Interesses von Borussia Dortmund in den Schlagzeilen. Das spricht für ihn und seine Arbeit – und irgendwie war es auch vorhersehbar.
01.01.2021
Sport

Der Weg zurück in die Spitzengruppe ist beschwerlich

Trotz oder wegen Achtelfinale der Königsklasse

Redaktion: Ingo Rütten

„Wir treten durch die vielen Unentschieden zuhause derzeit auf der Stelle“, sagte Max Eberl nach dem 1:1-Unentschieden daheim gegen Hertha BSC Berlin. Das änderte sich jedoch im folgenden Auswärtsspiel mit dem 3:3 gegen Eintracht Frankfurt auch nicht. Aber nach diesem erneuten Unentschieden Mitte Dezember musste der Sportdirektor Borussias keine sportlichen Fragen mehr beantworten, sondern etliche zu seinem aktuellen und vielleicht bald ehemaligen Trainer. Dass die Diskussion rund um VfL-Coach Marco Rose sehr direkt etwas mit Lucien Favre zu tun hat, scheint nur ein billiger Seitenhieb des Fußballgottes zu sein.

Mehr noch als der Stillstand in der Bundesliga und das sensationelle Erreichen der K.O.-Phase in der Champions League beherrschte vor Weihnachten die Zukunft von Marco Rose die Schlagzeilen rund um den VfL. Und in der Tat lässt sich durchaus befürchten, dass am 23. Januar 2021 eine düstere Prophezeiung aus Sicht der VfL-Anhänger öffentlich bestätigt wird. Spiele gegen den zukünftigen Arbeitgeber wartet man heutzutage gerne ab, ehe Wechsel erklärt werden. Und an diesem Tag spielt der VfL gegen die Namenscousine aus Dortmund, die der wahren Borussia schon so manchen Hoffnungs- und Leistungsträger abgeluchst hat. Man erinnere sich nur an Marco Reus, der dank einer Ausstiegsklausel zu den Gelb-Schwarzen wechselte, obwohl ihm Mönchengladbach zu Füßen lag und die Fußballzukunft rosarot für den VfL erschien.

Konkret: Ein Trainer, der sich eine Ausstiegsklausel in den Vertrag schreiben lässt, wird sich ein Angebot von Borussia Dortmund vermutlich nicht entgehen lassen. Ein Angebot eines Clubs, der durchaus bessere finanzielle Möglichkeiten und dadurch eben auch sportlich bessere Aussichten auf Erfolge als der VfL bietet, wird es auch für Marco Rose nicht so oft in seiner Karriere geben. Es sprich sehr viel dafür, dass er sich bereits für den BVB entschieden hat, seine Antworten auf diesbezügliche Fragen lassen mehr als nur Spekulationen zu: „Ich nehme keine Aufgeregtheit wahr, weil wir alle im Verein jedes Korn an Energie brauchen, um Leistung zu bringen. Trainer-Team, Mannschaft, Betreuer, alle drumherum. Deswegen beschäftige ich mich nicht mit den Gerüchten und kommentiere das auch nicht.“ So sprach der Fußballlehrer in der Woche nach der Entlassung von Lucien Favre in Dortmund, bei der übrigens auch Manfred Stefes als Co-Trainer seinen Hut beim BVB nehmen musste.

Er wird es besser wissen

Rose also beschäftigt sich nicht mit Gerüchten, nun ja, er wird es ja auch besser wissen. Alleine die Tatsache, dass er sich so gar nicht damit befasse, macht ihn verdächtigt. Und die Aussagen von Eberl lassen diese Befürchtungen erst Recht aufkommen. Der Sportdirektor lässt durchaus erkennen, dass es eine Klausel im Vertrag und damit keine Chance, Rose zu halten, gibt. Das war bei Favre noch anders, als der BVB am damaligen VfL-Coach rumbaggerte, aber aufgrund der Vertragssituation von dannen zu ziehen hatte. Die Zeit werde zeigen, was passiert, sagt Eberl diesmal, der sicher schon seinen Zettel mit Trainernamen aus der Schublade gezogen hat, der von ihm nicht zuletzt aufgrund der Klausel in Roses Vertrag vermutlich immer aktuell gehalten wurde.

Zweifellos wäre es ein großer Verlust, wenn Rose den VfL verlassen würde. Man kann nur hoffen, dass im kommenden Sommer der drohende Spieler-Ausverkauf nicht in der Art stattfindet, aber ein Trainerwechsel würde auch in dieser Hinsicht die eine oder andere Bremse lösen. Der Fluch der guten Tat ereilt den VfL nicht schneller als gedacht, dafür umso heftiger als befürchtet. Wie glücklich waren wir doch alle, dass im vergangenen Sommer alle Borussen – Trainer(!) wie Spieler – gehalten werden konnten! Nur so war die Sensation in der Champions League möglich, mit einerseits fantastischen Auftritten und andererseits vorhersagbaren Spielverläufen und Ergebnissen, die uns vor dem Fernseher mal ungläubig, mal zitternd und oft genug einfach nur happy hinterließ. Es ist ein Jammer, dass diese sportliche Großtat Borussias ohne Zuschauer auskommen musste!

Tatsächlich noch mehr Champions League!

Im Februar und März stehen also tatsächlich noch einmal zwei Champions-League-Spiele für den VfL auf dem Programm, gegen und bei Manchester City. Man kann und darf dem VfL alles zutrauen, eher wahrscheinlich aber werden es die letzten Auftritte in der Königsklasse für Borussia in dieser Saison bleiben. Damit es nicht die letzten in diesem Jahr bleiben, muss der VfL in der Bundesliga so langsam mal wieder in Tritt kommen. Der Rückstand auf die ersten vier Tabellenplätze nimmt Formen an, und Dauerrivale Leverkusen hat im Gegensatz zu den Fohlen deutlich besser gepunktet. Das mag für Borussia an der Dreifachbelastung liegen, das mag zusätzlich an den coronabedingten Spielplan-Strapazen liegen. Aber das muss sich ändern, wenn Eberl mit einem international spielberechtigten Club um einen neuen Trainer werben möchte.

Im Januar ist das Aufeinandertreffen der beiden Borussias im heimischen gleichnamigen Park unter diesen Voraussetzungen noch einmal spezieller. Aber zwei Wochen zuvor gibt es sportlich den wahren Hit gegen den FC Bayern München in Mönchengladbach. Die beiden Heimspiele zeigen, dass die Gegner in diesem Monat nicht von Pappe sind und der Weg zurück in die Spitzengruppe der Tabelle beschwerlich wird. Zumal auswärts Union Berlin am Ende des Monats ansteht und zu Beginn des Jahres die Partie auf der Alm in Bielefeld. Die älteren Borussenanhänger werden schon eben im Text über die „vorhersagbaren Ergebnisse“ gestolpert sein: Borussia muss den Beweis antreten, dass diese Zeiten vorbei sind. Als Achtelfinalist der Königsklasse hat man schließlich einen anderen Anspruch!