Matthias Ginter Matthias Ginter
Foto: © Borussia Mönchengladbach
Ob Matthias Ginter seine Zukunft bei Borussia sieht, hängt auch vom Saisonfinale und den Vorstellungen des neuen Trainers ab. Der Weggang Ginters würde sicher mehr schmerzen als der anderer Borussen.
01.05.2021
Sport

Borussia blickt wieder zuversichtlich nach vorne

Adi Hütter ist gewiss kein schlechterer Trainer als Marco Rose!

Redaktion: Ingo Rütten

Es gibt gute Nachrichten bei Borussia, was vermutlich nicht ausreicht, um diese Bundesliga-Saison zu „retten“, was aber Hoffnung auf die Zukunft macht: Adi Hütter beerbt Marco Rose im Sommer an der Seitenlinie des VfL. Der derzeitige Trainer von Ligakonkurrent Eintracht Frankfurt galt als Wunschkandidat, war aber angesichts des Erfolges der Eintracht wohl nur schwer von einem Wechsel an den Niederrhein zu überzeugen. Anders als Rose hatte Hütter mit seinem Club noch einiges vor, indes wird er diese Zukunftsziele durch den Abgang von Fredi Bobic zu Hertha BSC Berlin in Gefahr gesehen haben. Der Sportdirektor gilt wie Hütter als einer der beiden Bauherren des Eintracht-Erfolges der letzten Jahre.

Hütter sieht vielmehr nun die Chance, gemeinsam mit dem VfL-Verantwortlichen für den Sport seine persönliche Erfolgsstory fortsetzen und die der Borussia wieder in Gang bringen zu können. Max Eberl als im deutschen Fußball anerkannte Persönlichkeit wird ein gewichtiges Maß an der Entscheidungsfindung Hütters beigetragen haben, aber auch die Perspektive des VfL für die kommenden Jahre dürfte den Österreicher nicht weniger gelockt haben. Das tut auch der VfL-Fanseele gut, dass die sportlichen Aussichten dieses Mal zugunsten der Borussia in einer entscheidenden Personalentscheidung ausgeschlagen haben.

Ausnahme, nicht Regel

Schaut man sich die langfristige Entwicklung Borussias an, dann ist diese Saison ohnehin eher die Ausnahme, nicht die Regel. Und vergisst man dann noch für einen Moment die Trainerdiskussion und den Stein des Anstoßes für eine sportliche miserable Saisonphase, dann jammern wir auf einem recht hohen Niveau: Es ist nicht selbstverständlich für einen Club wie Borussia, das Pokal-Viertelfinale und das Achtelfinale in der Champions League zu erreichen – und Niederlagen gegen den BVB aus Dortmund und Manchester City müssen auch niemandem peinlich sein!

Trotzdem, Roses Bilanz ist nicht mit der von Hütter bei der Eintracht zu vergleichen. Vieles, was Rose angekündigt hat, hat seine Mannschaft allzu oft vermissen lassen. „Mit diesem hochkarätigen Spielerkader hätte man nicht schlechter abschneiden können“, heißt es hin und wieder in der Stadt. Die Gefühlslage ist schwierig zu deuten, niemand trauert Rose hinterher, dazu sitzt der Frust über dessen Trennung von Borussia offensichtlich zu tief. Auf der anderen Seite kann der VfL im Saisonfinale noch den Sprung ins internationale Geschäft schaffen, mindestens die neue Conference League soll es werden. Eberl hat schon immer sinngemäß gesagt: „Wenn es optimal läuft, können wir die Champions-League-Plätze angreifen, wenn nicht müssen wir um die Europa League kämpfen.“ Damit es optimaler läuft, hat er nun Adi Hütter aus Frankfurt weggelockt und damit an der Seitenlinie Fakten geschaffen: Hütter ist ganz gewiss kein schlechterer Trainer als Marco Rose!

Es wird sich personell einiges ändern

Unabhängig davon, welches Ende diese Saison für Borussia nimmt, wird sich personell einiges ändern im Borussia-Park. Das Trainerteam geht beinahe komplett zum BVB, ein neues kommt. Und es wird auch im Spielerkader zu Änderungen kommen, es wird neue Gesichter bei Borussia geben und auch einige enttäuschte Fans, die zukünftig auf ihre Lieblinge verzichten müssen. Einerseits ist ein personeller Umbruch nicht das Schlechteste, was dem VfL jetzt passieren kann. Andererseits wäre es schade und nicht zielführend, wenn alle „Juwelen“ verkauft würden. Eberl wird das verhindern wollen und hat mit der Unterschrift von Nico Elvedi unter einen neuen Vertrag den Anfang gemacht. Ob Denis Zakaria, Alassane Plea, Matthias Ginter, oder auch Marcus Thuram oder Jonas Hofmann sowie Florian Neuhaus in der kommenden Saison für Borussia auflaufen? Sicher nicht alle zusammen - das wird Eberl nicht hinbekommen können. Im vergangenen Jahr hatte er die Champions League als Joker in der Hand, um seine von anderen Clubs umworbenen wechselwilligen Kandidaten bei der Stange zu halten. Diese Kraft hat die Conference League so wenig wie die Europa League. Aber: Mit den zu erwartenden ansehnlichen Transfersummen, dem neuen Trainer und der insgesamt sportlich hervorragenden Perspektive kann Eberl wieder junge, aufstrebende Akteure in den Borussia-Park holen.

Man sollte die Lage bei Borussia nicht zu düster sehen, vielleicht drückt ja die allgemeine Befindlichkeit auch nachdrücklich auf die Stimmung? Die ganze Stadt sehnt sich danach, endlich mal wieder ins Stadion gehen zu dürfen, ob das Donnerstags in der Conference League oder dienstags in der Champions League ist, dürfte den meisten Fans derzeit erst einmal egal sein. Selbst ein Jahr ohne internationalen Fußball schadet wenig, es erdet vielleicht mehr und macht den Blick wieder klar auf das, was Borussia in den letzten rund zehn Jahren erreicht hat. Das sollte sich niemand, der die Raute im Herzen trägt, auch nur ansatzweise durch ein schlechteres Kapitel in der VfL-Story und einen enttarnten Antihelden an der Seitenlinie kaputt machen lassen. Auch andere Clubs könnten dieses Lied singen, nicht zuletzt die Eintracht-Fans, die fortan auf ihren bis dato geliebten Trainer verzichten müssen – und trotzdem zuversichtlich nach vorne schauen dürfen.