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MEDIZIN+CO

MEDIZIN+CO 04/2020

GESUNDHEITSBERUFE 2020

GESUNDHEITSBERUFE 2020
Foto: © Marc Thiele
Foto: © Marc Thiele

Stopkas Bistronomie - Food & Friends

Der HINDENBURGER zu Besuch

Redaktion: Marc Thiele

Zugegeben, als ich Ende 2018 mal wieder am alten Messajero auf der Bismarckstraße vorbei ging und sah, dass dort nach langem Leerstand etwas passierte, überwog die Skepsis. Zu viele Versuche, in dieser doch eigentlich tollen Location etwas Neues zu etablieren, waren zuvor gescheitert. Dann passierte erst einmal für längere Zeit nichts, bis im September oder Oktober 2019 irgendwer zu mir sagte, dass dort eine neue Gastronomie eröffnet habe - aber es war dort immer geschlossen, wenn ich vorbei kam. Da hatte ich das STOPKAS eigentlich im Kopf schon abgehakt. „Wieder ein Fehlstart“ dachte ich. Eine grobe Fehleinschätzung, wie sich herausstellen sollte.

Michael und Gabriele Stopka haben sich ihren Traum erfüllt. Foto: © Marc Thiele
Michael und Gabriele Stopka haben sich ihren Traum erfüllt. Foto: © Marc Thiele

Dass gerade in den Räumlichkeiten des ehemaligen Messajeros auf der Bismarckstraße das aktuell für mich wohl innovativste und spannendste Genuss- und Kulinarik-Projekt Mönchengladbachs eröffnen würde, habe ich tatsächlich nicht erwartet. Alles, was man mir anfänglich über das STOPKAS erzählte, deutete auf ein rein vegetarisch/veganes Restaurant hin, womit dann auch schon meine Ressentiments griffen, so dass es lange dauerte, bis ich das erste Mal dort essen ging.

Aber bevor ich zum Essen komme, erst einmal ein paar Worte zur Location, denn wer das alte Messajero kennt, wird diese heute kaum wiedererkennen. Die Umbauten und Renovierungen waren sehr umfangreich und zeitintensiv, wohl auch, weil die Räumlichkeiten - wie sagt man so schön - recht „abgerockt“ waren und sich erst nach Abschluss des Mietvertrages mehr und mehr zum Komplettsanierungsfall entwickelten. Um ihren Traum zu realisieren, setzten Michael und Gabriele Stopka alles auf eine Karte und investierten einen Großteil ihrer privaten Finanzmittel in den Umbau.

Heute machen helle und auch warme Farben schon beim Betreten Lust auf mehr. Eyecatcher im vorderen Gastraum ist neben der großen Theke eindeutig der ehemalige, zum Tisch umfunktionierte Turnbock, den Gabriele Stopka und Ihr Mann - beide bekennende Upcycling-Fans - in Eigenleistung bauten, ebenso wie die in allen Räumen stehenden / hängenden Lampen aus z.B. alten Schallplatten oder Renovierungsmaterial, und viele andere Einrichtungselemente. Nachhaltigkeit spielt hier eben nicht nur in der Küche eine große Rolle. Man sieht überall, dass mit viel Liebe zum Detail und Qualitätsbewusstsein ans Werk gegangen wurde.

Upciycling gehört zum Konzept, wie der ehemalige Turnbock... Foto: © Marc Thiele
Upciycling gehört zum Konzept, wie der ehemalige Turnbock... Foto: © Marc Thiele

Der Eindruck setzt sich bis in den hinteren Gastraum fort, der zu früheren Zeiten eher dunkel war. Durch die Öffnung des Raumes zum Innenhof hin, ist dieser nun lichtdurchflutet und bietet so eine viel höhere Aufenthaltsqualität. Die moderne Einrichtung passt perfekt ins Gesamtbild und tut der Gemütlichkeit und Wohlfühlatmosphäre keinen Abbruch. Auch das wegen Corona installierte, innovative Trennsystem zwischen den Tischen fügt sich vom Stil her perfekt in den Raum ein und wirkt in keiner Weise ästhetisch störend. Durch eine neue Glastüre kommt man in den Innenhof, der ebenfalls zum Verweilen einlädt und der zudem für musikalische und kulturelle Veranstaltungen ideal zu nutzen ist und bereits rege genutzt wurde.

Aber im STOPKAS geht es ja nicht primär um das Interior Design, sondern um das, was auf den Teller kommt und das ist für Mönchengladbach etwas konzeptionell vollkommen Neues.

Verantwortlich für die kulinarischen Kreationen zeichnet Michael Stopka, der zusammen mit seiner Frau Gabriele und einem kleinen Team die Bistronomie auf der Bismarckstraße 93 mit großem Engagement und viel Herzblut betreibt. Zwar hat er sein vorheriges Berufsleben, bis zu seiner Rente, in einem komplett anderen Wirtschaftsbereich verbracht, aber seine familiären Wurzeln liegen in der Gastronomie und Kochen war schon immer seine große Leidenschaft. Michael Stopkas Vater, ein erfahrener Koch, entwickelte im Laufe seiner vielen Berufsjahre unzählige Rezepte, die heute eine der Grundlagen seiner neuen Gerichte sind. Eine Andere sind seine vielen Reisen und die kulinarischen Eindrücke, die er dort sammelte. Aber auch die alten Techniken der Zubereitung und Haltbarmachung, wie z.B. die lange Zeit vergessene Fermentierung von Lebensmitteln, sind essenzieller Bestandteil der Speisen im STOPKAS.

... oder die aus Baufolie hergestellte Deckenlampe. Foto: © Marc Thiele
... oder die aus Baufolie hergestellte Deckenlampe. Foto: © Marc Thiele

Authentisches, gesundes Essen ist die Maxime des STOPKAS und diese wird hier bis ins kleinste Detail gelebt.

Michael Stopka kocht und kreiert hauptsächlich mit Produkten lokaler und regionaler Anbieter, orientiert sich am saisonal verfügbaren Angebot und verzichtet bei der Zubereitung wo immer es geht auf künstliche Zutaten. So wird unter anderem die Haltbarkeit von Produkten nicht durch Chemie, sondern durch alt hergebrachte Verfahren, wie die Fermentation, erreicht, die zudem auch noch spannende und für die Meisten von uns neue Aromen mit ins kulinarische Spiel bringen. Auch exotische Gewürze aus aller Welt kommen gerne zum Einsatz und fordern die Geschmacksknospen heraus. Ein Großteil der Bestandteile der Gerichte wird selbst hergestellt, wie etwa das köstliche Weißbrot, aber auch Marinaden, Soßen, Chutneys und vieles mehr. Das Fleisch der Burger stammt aus einer regionalen Fleischerei mit Hausschlachtung, Honig vom lokalen Imkern, andere Produkte von Bio-Höfen aus der Region. Natürlich wird bei einem derartigen Konzept das Thema Nachhaltigkeit ganz großgeschrieben, ebenso wie die Ressourcenschonung oder auch die Abfallvermeidung. Produkte, die an einem Tag nicht verwertet werden konnten, finden ihren Weg in neue Kreationen. So wundert es auch nicht, dass das STOPKAS Teil des „SLOW FOOD“ Netzwerkes (www.slowfood.de) sowie der „GREENTABLE-Initiative“ (www.greentable.org) ist und damit auch äußerst strenge Kriterien erfüllen muss. Aber diese erfüllen Michael und Gabriele Stopka in ihrer Bistronomie sowieso schon aus Überzeugung.

Aktuell - vor allem bedingt durch Corona - bietet das STOPKAS eine umfangreiche, wöchentlich wechselnde Mittagskarte, sowie eine Vielzahl selber hergestellter Torten zum Vor-Ort-Verzehr oder zur Mitnahme an. Wenn es die Corona-Situation erlaubt, ist zukünftig auch Abendgastronomie geplant, aber auch wenn das Angebot ausgebaut werden soll, an der Anzahl der Sitzplätze wollen die Stopkas nichts ändern. „Wenn wir mehr Plätze anbieten, leidet darunter die Qualität und das wollen wir auf keinen Fall“, so Michael Stopka. „Unseren eigenen hohen Ansprüchen können wir nicht mehr so wie jetzt gerecht werden, wenn wir plötzlich 20 Gäste mehr zur gleichen Zeit bewirten müssen.“ fährt er fort. Auch an Plänen für einen Lieferdienst wird im Hintergrund gearbeitet, für den Fall, dass die Corona-Krise doch wieder größere Einschränkungen für die Gastronomie mit sich bringt.

Der schöne und stylische hintere Gastraum. Foto: © Marc Thiele
Der schöne und stylische hintere Gastraum. Foto: © Marc Thiele

Neuerdings kooperiert das STOPKAS mit einem lokalen Weinhandel und bietet neben deren Produkten und denen von anderen Partnern nun auch ein kleines Sortiment von Produkten aus hauseigener Herstellung an, wie fermentiertes Gemüse, Soßen, Chutneys, Brotaufstriche oder ein köstliches Granola.

Wichtig ist beiden auch ihr soziales Engagement. Schon in ihrer Heimatstadt Köln war dieses groß. Stolz präsentierte Gabriele Stopka mehrere Aktenordner voller Presseberichte über ihre diversen Aktivitäten und Auszeichnungen, die sie für ihre Projekte dort bekommen hat. Aktuell sorgt sie in Mönchengladbach mit ihrem Engagement für einen (Anm. d. Red.: längst überfälligen) Fahrradweg auf der Bismarckstraße für Aufmerksamkeit. Erfolgreich wie es scheint, denn die mehreren tausend notwendigen Unterschriften für das angestrebte Bürgerbegehren hat sie schnell zusammenbekommen und Anfang November soll die offizielle Übergabe an den neuen Oberbürgermeister Felix Heinrich erfolgen.

Fazit: Das STOPKAS ist eine eindeutige Empfehlung – nicht nur für Vegetarier / Veganer. Für mich mit das spannendste Gastrokonzept der letzten Jahre in Mönchengladbach und ein Must-Go für jeden Fan hochwertiger Küche und spannender Kulinarik. Und auch als Nicht-Vegetarier/Veganer ist man im STOPKAS sehr gut aufgehoben, denn es gibt auch hervorragende Fleischgerichte.

STOPKAS Bistronomie - Food & Friends
Bismarckstraße 93
41061 Mönchengladbach
Tel.: 02161 - 90 48 715
facebook.com/stopkasBistronomie
www.stopkas.de

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