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MEDIZIN+CO 03/2020

GESUNDHEITSBERUFE 2020

GESUNDHEITSBERUFE 2020
Fire Walk With Me sind v.l.: Olaf Rönna, René Buss, Mick Carroll und Daniel Buscher. Foto: © Marc Thiele
Fire Walk With Me sind v.l.: Olaf Rönna, René Buss, Mick Carroll und Daniel Buscher. Foto: © Marc Thiele

Fire Walk With Me

Redaktion: Corinna Greven

Wer in Mönchengladbach und Umgebung offenen Auges und Ohres an der angebotenen Musikszene teilnimmt, kommt seit geraumer Zeit nicht an „Fire Walk With Me“ vorbei. Grund genug für uns, die Herren Mick Carroll (Banjo, Vocals), Daniel Buscher (Standbass), René Buss (Gitarre, Vocals) und Olaf Rönna (Bluesharp, Backingvocals) zum Gespräch zu bitten.

HINDENBURGER: Die wohl am wenigsten überraschende Frage direkt am Anfang: Woher kommt der Name „Fire Walk With Me“?

Mick Carroll: Wie das immer so ist, wir haben mit verschiedenen Namen herumgespielt und irgendjemand kam dann mit dem Namen um die Ecke.

Daniel Buscher: Das war ich! Ich fand den Namen immer cool. Klar, man kennt den von „Twin Peaks“ (Anm. der Red.: Mystery-Serie aus den frühen 90ern).

Mick Carroll: Irgendwie passt der Name zu der Art von Musik. Mal was anderes.

HINDENBURGER: Gebt uns doch mal einen Überblick über Eure musikalische Herkunft. Diese Band ist ja nicht die erste, mit der Ihr jeweils unterwegs seid.

Mick Carroll: Ich hab mit Punk angefangen, dann Rockabilly, Psychobilly, Country, Boogie Woogie, 50s-Coverbands – eigentlich alles querbeet. In Sachen Psychobilly war ich ja beispielsweise 30 Jahre mit den „Phantom Rockers“ unterwegs. Die traditionelle Musik ist über die Jahre aber immer bei mir geblieben.

Olaf Rönna: Ich komm ursprünglich aus dem Folk und Blues. Mit Mick habe ich Anfang der 90er zusammen bei den „Phantom Rockers“ Psychobilly gemacht.

René Buss: Bei mir liegen die Wurzeln im Rock’n’Roll und Rockabilly. Ich hab lange mit den „Bombing Jacks“ gespielt.

Daniel Buscher: Ich hab bei den „X-Ray Guns“ mit Psychobilly angefangen, dann kam viel Punkrock, dann Hardcore mit Bands wie „Prophecy of Rage“ oder „Platoon“ und „Tiger Crew“ und dann wieder „X-Ray Guns“.

HINDENBURGER: War von Anfang an geplant, dass „Fire Walk With Me“ eine feste Band wird? Oder war das eher ein Sessionprojekt, das sich weiterentwickelt hat? Mick Carroll: Als ich nach 20 Jahren in London nach Mönchengladbach zurückgekommen bin, habe ich 2 Bands gegründet, bei denen Daniel der Bassist war. Ich wollte aber wieder zurück in die traditonellere Ecke und hab dafür Ralf Maier dazu geholt.

Daniel Buscher: Eigentlich hat es damit angefangen, dass Iris Frenzen in ihrem Restaurant einen musikalischen Frühschoppen anbieten wollte. Da ist dann erst der Stein ins Rollen gekommen. So war es angedacht: sie macht den Frühschoppen, wir gehen dahin und machen ein bisschen Musik und versuchen, möglichst viele andere Musiker einzuladen.

Mick Carroll: Das hatte einen ganz klaren Session-Charakter. Mitunter sind da richtig viele Musiker aufgetaucht, das machte richtig Laune.

Olaf Rönna: Beim ersten Gig stand ich im Publikum, hab Mick aber gar nicht erkannt. Obwohl wir 5 Jahre zusammen in der gleichen Band waren. Schon peinlich.

Mick Carroll: Das war ja auch 30 Jahre her! Er kam mir bekannt vor, aber ich konnte ihn überhaupt nicht einordnen. Ich wollte nach dem Gig zu ihm, aber da war er schon weg. Als ich dann einen Mundharmonikaspieler gesucht habe, ist mir Olaf aber sofort wieder eingefallen. Als er mir sagte, dass er auf unserem Gig war, war das Gelächter natürlich groß. Er war sofort Feuer und Flamme.

Olaf Rönna: Wir haben uns einfach getroffen und losgelegt. Irgendwann nahm es die Struktur einer Probe an und wir merkten, dass es doch geil ist, wenn man die Stücke probt. Die werden dann noch intensiver und natürlich auch besser.

Logo Fire Walk With Me
Logo Fire Walk With Me

HINDENBURGER: Schreibt Ihr auch selber Stücke oder seht Ihr Euch eher als Coverband?

Mick Carroll: Das hat mit Cover überhaupt nichts zu tun! Das sind überlieferte Traditionals!

Daniel Buscher: Das Ding ist, man sucht nach einer traditionellen Nummer und findet direkt unzählige Versionen. Das sind aber keine Cover, sondern Variationen.

Mick Carroll: Wir spielen zum Großteil American Old-Time. Die Einflüsse dafür kommen aus Europa – Irland, Schottland und sogar vieles aus Deutschland. Das war quasi die Hausmusik der amerikanischen Siedler. Die haben sich abends zusammengesetzt und gespielt, was sie kannten. Und die Mixtur daraus, das ist das, was wir machen. Das ist Tanzmusik, Trinkmusik, die weiter gegeben wurde. Eines der Stücke, die wir machen, stammt ursprünglich aus dem 17. Jahrhundert. Das hört man dem aufgrund der Überlieferungen und Interpretationen natürlich nicht mehr an. Bei vielen Stücken weiß man heute gar nicht mehr, wer die geschrieben hat. Die werden von Generation zu Generation weitergereicht und durch die jeweiligen Einflüsse verändert.

René Buss: Das funktioniert im Grunde genommen wie „Stille Post“. Einer sagt dem anderen was ins Ohr, der trägt es weiter und am Ende kommt ganz was anderes dabei raus.

Mick Carroll: Und darum lohnt es sich auch nicht, selber Stücke zu schreiben. Wir können hier aus dem Vollen schöpfen und verändern die Stücke durch unsere Herangehensweise schon wieder. Darüber hinaus bedienen wir eine Nische. So was wie uns gab es hier bislang noch nicht.

HINDENBURGER: Plant Ihr eine Platte?

Daniel Buscher: Es wäre definitiv gut, wenn wir mal ein paar Aufnahmen machen würden. Einfach, um den Leuten zeigen zu können, um was es geht. Damit die sich ein Bild machen können, aber für mehr nicht. Das ist Livemusik, die unter anderem vom Zusammenspiel mit dem Publikum lebt.

Mick Carroll: Ich habe diese Musik lange Jahre in London in Pubs und so gespielt, da ist der ganze Laden darauf ausgelegt. Dielenbretter auf dem Boden, auf denen gestampft wird und denen es auch nicht weh tut, wenn da mal ein Glas drauf fällt.

Daniel Buscher: Selbst, wenn mal einer im Publikum ist, der mit der Musik nicht so viel anfangen kann, der fängt automatisch irgendwann das Mitwippen an. Das ist wie Ska – das geht immer!

Mick Carroll: Die Musik geht tierisch nach vorne. Das ist eine ganze eigene Dynamik. Und wir haben das in der Hand, wie wir das Publikum fordern. Das Gefühl, wenn man vor einem kleinen Publikum spielt und das aber völlig vereinnahmt hat, ist wesentlich cooler, als vor 5.000 anonymen Leuten auf einer großen Bühne zu stehen.

HINDENBURGER: Wie viele Auftritte hattet Ihr denn bislang?

Daniel Buscher: So um die 30 bestimmt.

HINDENBURGER: Ist davon einer besonders in Erinnerung geblieben?

Daniel Buscher: Ich erinnere mich gerne an den letzten Gig im Oktober im Freigeist in Viersen. Da hat die Chemie zwischen uns und dem Publikum einfach gestimmt und alle hatten gute Laune und richtig Bock.

Mick Carroll: Im Frenzen ist es natürlich auch immer super, schließlich ist die Band da ja sozusagen auf die Welt gekommen.

René Buss: Da war ich ja leider noch nie dabei.

Mick Carroll: Stimmt. Wir dürfen nicht vergessen, dass René die Band eigentlich am Leben erhalten hat, als Ralf ausgestiegen ist. Ich wusste, dass René diese Art der Musik spielen kann und wir hatten echt Glück, dass er Ralfs Platz mehr als einnehmen konnte, sonst hätten wir uns die damals schon gebuchten Gigs nämlich in die Haare schmieren können.

HINDENBURGER: Wann und wo kann man Euch wieder erleben?

Daniel Buscher: Am 27.03.20 im Frenzen. Dann spielen wir im Frühjahr und Herbst wieder im Freigeist. Man hat uns für das OpenAir-Kino auf der Krefelder Rennbahn angefragt. Außerdem haben wir das Angebot, in Österreich auf einer Almhütte zu spielen und zu Micks Geburstag werden wir in England spielen. Wir gehen also quasi auf Europa-Tournee! Und man kann uns natürlich auch für private Veranstaltungen buchen.
Anfragen gerne über unsere Facebookseite facebook.com/oldtimemusicforbastards/

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