Oktober 2019

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Marco Rose wird Borussia eine andere Art Fußball vermitteln, aber auch er wird sich in den kommenden drei Jahren als VfL-Coach an Ergebnissen messen lassen müssen. Foto: © Borussia
Marco Rose wird Borussia eine andere Art Fußball vermitteln, aber auch er wird sich in den kommenden drei Jahren als VfL-Coach an Ergebnissen messen lassen müssen. Foto: © Borussia

„Emotionalität, Aktivität und Gier“

Marco Rose verspricht für die kommenden drei Jahre einen anderen Fußball als jenen der letzten drei.

Die größte Änderung bei Borussia in dieser Sommerpause werde der neue Trainer beziehungsweise das komplett neue Trainerteam sein, erklärte Max Eberl bei der Pressekonferenz, bei der Marco Rose den Journalisten im Anschluss an das Saisonende in diesem Mai präsentiert wurde. Nun ist Eberl bekanntermaßen immer recht zurückhaltend, wenn er seine Transferaktivität beschreiben soll. Dennoch darf man ihm Glauben schenken, dass weder er als Sportdirektor noch Rose als neuer Coach den Spielerkader völlig auf den Kopf stellen wollen.

Es besteht ja auch kein Anlass dazu: Der fünfte Tabellenplatz am Ende der nun alten Saison wird zwar etwas zu hoch gejubelt – angesichts des Saisonverlaufes – aber ein schlechtes Resultat ist er ja nun nicht. Und für den neuen Trainer stellt er zudem die Möglichkeit dar, dieses Ergebnis noch verbessern zu können. Rose ist ambitioniert und weiß, was man von ihm erwartet. „Ich bin mir durchaus bewusst, dass die Ansprüche hier im Verein groß sind und die Erwartungshaltung hoch ist. Wir alle wissen, wo Borussia herkommt, wo sie steht und über welche Möglichkeiten sie verfügt, „sagte er bereits bei seiner Vorstellung. Weiterentwickeln wolle er den VfL, damit der eine gute Rolle in der Bundesliga spielen könne, „aber wir sollten uns auch nicht nur am Tabellenplatz messen lassen, sondern vielmehr an der Art und Weise, wie wir auftreten. Das ist für mich entscheidend. Die Fans sollen sich mit dem, was sie auf dem Platz sehen, total identifizieren. Sie sollten, auch wenn wir mal ein Spiel verlieren, trotzdem mit einem guten Gefühl nach Hause gehen, weil sie sehen, dass es mit uns in die richtige Richtung geht.“ Das was unter Ex-Trainer Dieter Hecking mit dessen verordneter Spielweise zumindest zuletzt nicht mehr der Fall, Rose hat also aus der Entfernung bereits genau hingesehen.

Erfolgreiche Jahre in Salzburg

Marco Rose blickt auf erfolgreiche Jahre bei RB Salzburg zurück, wurde zweimal hintereinander Meister und zog vor seinem Abschied aus Österreich mit RB sogar in die Champions League ein. Das ist angesichts des schwierigen Qualifikationsverfahrens für einen österreichischen Meister etwas ganz Besonderes. In Deutschland arbeitete der 42-Jährige bislang nur als Co-Trainer höherklassig, von 2010 bis 2012 beim FSV Mainz 05. Nach einem Jahr als Cheftrainer beim 1. FC Lokomotive Leipzig in der Regionalliga zog es ihn zu RB Salzburg, aber wohlgemerkt übernahm er dort zunächst die U16-Jugendmannschaft. Mit der U18 wurde er kurze Zeit später Meister im Alpenland, und ein Jahr später gewann er mit der U19 Salzburgs sogar die UEFA Youth League. Grund genug für RB, ihn 2017 zum Chefcoach der Bundesligamannschaft zu machen, wo Rose an seine Erfolge nahtlos anknüpfte. Er wurde Meister und Pokalsieger, erreichte das Halbfinale der Europa League – kein Wunder also, dass der geborene Leipziger sich für diese Saison auch in der deutschen Bundesliga beinahe jeden Verein als kommenden Arbeitgeber aussuchen konnte.

Hoffenheim wollte ihn, auf Schalke buhlten sie um ihn. Und Wolfsburg sprach bereits sehr offen über ihn. Dabei hatte Max Eberl längst die Zeichen der Zeit erkannt und alles festgezurrt, zumal er offensichtlich schon vor der letzten Saison bereits mit Rose in Kontakt gestanden hatte. Rose und Eberl und die Zukunftsaussichten bei Borussia: das passte, und so konnte der VfL sich gegen etliche Mitbewerber durchsetzen und den begehrten Trainer an den Niederrhein locken. Das lässt sich Borussia eine ordentliche Stange Geld kosten, aber das darf von den VfL-Fans auch als Vertrauensvorschuss von Rose an den Verein bewertet werden. Rose will erfolgreich sein und vermutlich möchte er auch in Deutschland Titel gewinnen. Offenbar sieht er dafür bei Borussia eine Möglichkeit, das lässt genauso hoffen wie der angekündigte Wechsel der Spielidee. Die beziehe sich auf Emotionalität, Aktivität und Gier – und das ist streng genommen beinahe das Gegenteil von dem, was die Mannschaft von Dieter Hecking mit auf den Platz bekam.

„Aktiv gegen den Ball arbeiten“

„Wir wollen sehr aktiv gegen den Ball arbeiten und viel sprinten. Das hat es in den vergangenen Jahren hier bei Borussia in dieser Form nicht gegeben. Darüber hinaus wollen wir hoch Bälle gewinnen und kurze Wege zum Tor haben. Wenn wir selber den Ball haben, wollen wir dynamischen und aktiven Kombinationsfußball spielen. Das Wichtigste wird zunächst sein, dass wir es schaffen, die Mannschaft schnell davon zu überzeugen, diese Art Fußball zu spielen. Das werden wir täglich vorleben und in jedem Training einfordern. Wir wollen Energie und Überzeugung ausstrahlen. Das ist für den Fußball, den wir spielen wollen, die Basis“, erklärt Rose und bezieht dabei seine Assistenten mit ein. Denn Rose bringt in René Maric, Alexander Wickler und Patrick Eibenberger einen ganzen Trainerstab mit in den Borussia-Park.

Rose gehe es nicht darum, „alles besser zu machen“, schließlich spreche der fünfte Tabellenplatz eine klare Sprache, dass nicht alles falsch gemacht wurde von seinem Vorgänger. Vielmehr gehe es darum, „einen anderen Fußball spielen zu lassen. Die Dinge, die gut gemacht wurden, werden wir natürlich versuchen, zu übernehmen. Die Mannschaft verfügt über ein hohes spielerisches Potenzial. Ich bin sicher, dass wir einige Jungs im Kader haben, die unser gewünschtes Spiel auf den Platz bringen können.“ Das heißt aber auch, nicht alle werden das können und deswegen wird jetzt nach dem Trainingsauftakt beim VfL in den kommenden Tagen und Wochen sicher noch ein bisschen etwas passieren auf dem Transfermarkt. Auch wenn sich Eberl wie immer diesbezüglich zurückhaltend gibt.

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