Januar 2021

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MEDIZIN+CO

MEDIZIN+CO 01/2021

GESUNDHEITSBERUFE 2020

GESUNDHEITSBERUFE 2020
Die Schlüsselfigur des zurückliegenden Erfolges ist Marco Rose bereits. Der Trainer möchte sich an dieser sportlichen Höchstleistung messen lassen, für ihn sei das „spannend, nicht beängstigend“. Foto: © Borussia Mönchengladbach
Die Schlüsselfigur des zurückliegenden Erfolges ist Marco Rose bereits. Der Trainer möchte sich an dieser sportlichen Höchstleistung messen lassen, für ihn sei das „spannend, nicht beängstigend“. Foto: © Borussia Mönchengladbach

Die Schlüsselfigur

VfL-Sportdirektor Max Eberl klopft sich mit seinen Aussagen über Marco Rose auch selbst auf die Schulter

Redaktion: Ingo Rütten

Den Wert eines Fußballtrainers für einen Verein zu bemessen, ist eine schier unmögliche Aufgabe. Selbst die besten Männer (und natürlich auch Frauen) an der Seitenlinie sind noch dazu so eng mit dem sportlichen Abschneiden der betreuten Teams verbunden, dass sie auch dann meistens ausgetauscht werden, wenn „bis dato“ soweit alles okay war. Auf der einen Seite beklagen sich also seit geraumer Zeit und in regelmäßigen Abständen die Fußballlehrer der Proficlubs in Deutschland zurecht, dass sie jederzeit austauschbar und ohnehin – zumindest bei ausbleibendem Erfolg – immer das schwächste Glied in der Kette seien. Auch die Trennung von Dieter Hecking bei Borussia sorgte für Schlagzeilen, Borussia stand zweitweise nicht ganz so gut dar in der öffentlichen Wahrnehmung. Aber auf der anderen Seite gibt es immer wieder Beispiele, die aufzeigen, wie ein Mann an der Spitze des Verantwortungsbereiches einen Verein nicht nur sportlich mitziehen kann. Nicht zuletzt deswegen, „trauerten“ nicht nur die VfL-Fans sehr lange Lucien Favre nach. Der Ex-Trainer hat viel damit zu tun, warum Marco Rose nun eine neue Ära, mindestens aber ein weiteres Kapitel eines besonderen Trainers in die Clubhistorie schreiben kann.

So schwierig wie die Bewertung eines Trainers ist auch die Einschätzung, zu was eine Mannschaft imstande sein könnte. Ist das Erreichen des DFB-Pokalfinales für Borussia eine derart großartige Leistung, dass selbst eine Niederlage nach ein paar Tagen des Frustes aufgrund der Finalteilnahme nicht mehr so schlimm ist? 1992 hatte Borussia unter Trainer Jürgen Gelsdorf das Endspiel in Berlin erreicht. Der Coach stärkte mit seinen Auszusagen vor dem Spiel aber vor allem Gegner Hannover 96 den Rücken, sodass der Zweitligist gefühlt als Favorit in die Partie ging und seiner Rolle schließlich gerecht wurde. Und Hecking verkaufte vor seinem Ende bei Borussia die Qualifikation für die Europa League bereits als herausragend, als der VfL noch nicht gänzlich seinen erheblichen Punktevorsprung auf Rang vier gegenüber Bayern Leverkusen eingebüßt hatte!

Vergangenheit macht Entwicklung deutlich

Die Beispiele aus der fernen und der näheren Vergangenheit machen die Entwicklung in der vergangenen Saison beim VfL noch einmal deutlicher. Nicht nur, dass Borussia endlich wieder attraktiv spielt und sich ihren Stärken bewusst wurde. Neben der Mannschaft hat Rose auch das direkte Umfeld im Club mit seinem Charakter offensichtlich bereits ein Stück weit geprägt. Er verkörpert das, was man als Siegermentalität, als Selbstbewusstsein oder auch als Überzeugung genannt bei manch anderem Borussentrainer in der Vergangenheit vermisst hat. Sportdirektor Max Eberl klopft sich mit seinen Aussagen über Rose selbst auf die Schulter, wenn er ihn als die Schlüsselfigur des Erfolges nennt. Eberl hat einen mutigen Schritt getan am Ende der Saison 2018/2019 und er hat Recht behalten. Er selbst wirkt heute auch ein bisschen ambitionierter als früher, in Wirklichkeit aber, ist er nur in seiner Kommunikation offensiver – vielleicht überzeugter? – geworden.

Die Corona-Krise sorgt dafür, dass die Freude über das Erreichen der Champions League anders ist. Dieser für Borussia wahrlich herausragende sportliche Erfolg fühlt sich weniger furios an als gedacht. Aber wenn Eberl nun davon spricht, dass es möglicherweise wertvoller sei, diesen Spielerkader beisammen zu halten als Millionen auf dem Transfermarkt auszugeben, dann ist das keine Ausrede, weil Borussia sich aufgrund der Corona-Krise nicht traut oder eben nicht in der Lage ist, zu investieren. „Wir haben einen Kader, der werthaltig ist, sportlich erfolgreich – und aus dem wir keinen Spieler verkaufen müssen“, sagt Eberl, der zudem hoffnungsfroh wirkt, dass Rose aus dem „enormen Potenzial“ auf Dauer noch mehr herausholen kann als zuletzt.

(Sein) Selbstbewusstsein eingeimpft

Rose hat seiner Mannschaft (sein) Selbstbewusstsein eingeimpft: Wenn es drauf ankam, war der VfL zur Stelle. Auch das war in der Vergangenheit eher ein Schwachpunkt der Fohlen, egal von welchem Trainer sie in die Wettkämpfe geschickt wurden. Rose hat trotzdem ein paar personelle Veränderungswünsche auf dem Zettel, so wie Eberl auch, doch die meisten Wünsche werden nur dann in Erfüllung gehen, wenn eben doch ein Hochkaräter aus der aktuellen Mannschaft heraus gekauft wird. Es wäre schon eine besondere Überraschung, wenn einer wie Denis Zakaria auch in der kommenden Saison im Borussia-Dress spielt! Dass es auch ohne den Schweizer geht, hat der VfL in der Rückrunde bewiesen und wer weiß, vielleicht wäre es auch für den VfL wertvoller, den Kader mit etlichen „Zakaria-Millionen“ weiter zu schmieden – eben jetzt, da in Marco Rose jemand am Werk ist, der mit Hammer und Amboss umgehen kann. Weniger metaphorisch ausgedrückt: Rose kann mit der Erfüllung seiner Wünsche den Abgang Zakarias hoffentlich kompensieren.

Das Transferfenster ist beunruhigend groß, aber durch die Champions League-Teilnahme und der zurückliegenden Entwicklung hat sich Borussia in eine Situation gebracht, in der auch das als Chance und weniger als Gefahr angesehen werden darf. „Wenn du im Sport große Dinge erreichen möchtest, müssen Lust und Mut größer sein als mögliche Zweifel“, sagt Rose. Dieser Satz gilt nicht nur für die Kabine und ganz offensichtlich ist er auch in den darüber liegenden Büros im Borussia-Park angekommen und für gut befunden worden. Der VfL hat sich im letzten Jahrzehnt enorm entwickelt, dank Rose scheint dieser Prozess noch nicht abgeschlossen zu sein. Hoffen wir alle darauf, dass Mannschaft und Fans diesen Zustand bald wieder gemeinsam erleben und zusammen auskosten können!

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