Juli 2020

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MEDIZIN+CO

MEDIZIN+CO 03/2020

GESUNDHEITSBERUFE 2020

GESUNDHEITSBERUFE 2020

Der "Mähtod" - das Drama in der Wiese

Alljährlich, ab Anfang bis Mitte Mai und noch weit bis in den Sommer hinein, spielen sich in deutschen (und europäischen) Wiesen und Weiden blutige Dramen ab. Mitten in die Brut- und Aufzuchtszeit vieler Wildarten, darunter besonders bekannt die der Rehe, fällt auch die Zeit der Ernte des ersten Grasschnittes in der Landwirtschaft. Zwar ist das Problem an sich schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt, aber erst durch die Industrialisierung der Landwirtschaft, mit ihren modernen Maschinen hat die Situation enorme Ausmaße angenommen und stellt neben der tierischen Tragödie auch ein Problem für die Landwirtschaft dar, denn vermähte, tote Tiere verderben die Grasernte. So liegt es im Interesse beider Seiten, der Tierschützer als auch der meisten Landwirte, diese Situation in den Griff zu bekommen.

Die Situation

Die moderne Landwirtschaft arbeitet mit modernen Grassorten, die schneller und höher wachsen und somit eine bis zu viermalige Ernte im Jahr ermöglichen. Dadurch kann die erste Ernte (der erste Schnitt) bereits im Mai erfolgen und liegt somit mitten in der Brutzeit der Ricken (weibl. Rehe). Diese gebähren bevorzugt in hohem Gras, um ihre Kitze zu verstecken und zu schützen. Moderne Erntemaschinen werden nicht nur immer größer und verfügen über immer breitere Mähwerkzeuge, sie werden auch immer schneller (aktuell wird mit ca. 15 km/h gemäht). Somit werden die Kitze, die bei Gefahr instinktiv geduckt und unbeweglich an Ort und Stelle im hohen Gras verharren, von den Landwirten beim Mähen nicht erkannt und geraten in die Mähwerke, wo sie qualvoll sterben. In Statistiken ist die Rede von bis zu 500.000 durch das Mähen von Wiesen und Weiden getöteten Wildtieren, darunter etwa 90.000 Rehkitze, alleine in Deutschland.

Was wird dagegen getan?

Nicht nur Tierschutzorganisationen, auch die Landwirte, Jäger und Ihre Verbände sind sich des Problems bewußt und es wurden Maßnahmen und Verhaltensweisen ausgearbeitet, die der Situation entgegenwirken sollen. Neben handlungsempfehlungen kommt dabei auch moderne Technik, wie Infrarotgeräte und sogar Drohnen, zum Einsatz. Wildretter genannte Geräte, die an den Mähmaschinen montiert werden und zwischen 1.400 und 1.600 € kosten, erzeugen hohe Töne, die Kitze und andere Wildtiere von den zu mähenden Wiesen verscheuchen. Für Landwirte, die hohe Investitionen scheuen, gibt es im Internet sogar Bauanleitungen für Wildretter im Eigenbau (Kosten ca. 35€ je Gerät).

Privat aktiv werden?

Natürlich ist der "Mähtod" ein hochemotionales Thema, aber Fachleute und Tierschützer raten dringend dazu, nicht alleine, ohne fachliche Begleitung aktiv zu werden. Falls Ihnen bei einem Spaziergang über Wiesen und Felder eine entsprechende Situation begegnet, informieren Sie am besten eine zuständige Stelle. Das kann der Landwirt sein, der auf der Wiese vor Ort ist, das lokale Forstamt oder die Ortsgruppe eines Natur- und Tierschutzvereins wie NABU, BUND etc. oder auch das lokale Tierheim, auch die Feuerwehr kann zur Not weiterhelfen. Sie können auch bis zum Eintreffen der Fachleute vor Ort bleiben und aufpassen, aber Sie sollten sich dem Kitz nicht zu sehr nähern oder es gar anfassen.

Mehr Informationen u.a. unter: https://www.deutschewildtierstiftung.de/naturschutz/reh-stoppt-den-maehtod

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