Januar 2021

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MEDIZIN+CO

MEDIZIN+CO 01/2021

GESUNDHEITSBERUFE 2020

GESUNDHEITSBERUFE 2020
„Es gibt keinen Pokal, es gibt keinen Wimpel, aber es wäre für mich gefühlt wie eine deutsche Meisterschaft.“  VfL-Sportdirektor Max Eberl über den Traum, Champions League zu spielen. Foto: © Borussia Mönchengladbach
„Es gibt keinen Pokal, es gibt keinen Wimpel, aber es wäre für mich gefühlt wie eine deutsche Meisterschaft.“ VfL-Sportdirektor Max Eberl über den Traum, Champions League zu spielen. Foto: © Borussia Mönchengladbach

Borussia hat sich in der Spitzengruppe etabliert

Redaktion: Ingo Rütten

Er lohnt sich, so oder so, der Blick zurück auf den 18. Mai 2019: Borussia vermasselt recht motivationslos die Teilnahme an der Champions League mit einer 0:2-Niederlage im Heimspiel gegen Borussia Dortmund. Bayer Leverkusen zieht an diesem letzten Spieltag mit einem 5:1-Erfolg bei Hertha BSC Berlin an der Fohlenelf vorbei und hat dem VfL in der Rückrunde satte zwölf Punkte Vorsprung geklaut. Am Ende dieser Saison, mehr als ein Jahr später, sind die Voraussetzungen ähnlich, wenngleich etwas besser als im Jahr zuvor. Trotzdem oder gerade deswegen muss das Saisonfazit unabhängig davon gezogen werden, ungeachtet ob Borussia in der nächsten Spielzeit zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte in der Königsklasse oder wieder nur als Trostpreis in der Europa League an den Start geht. Produktionstechnisch entsteht dieser Text kurz vor dem letzten Spieltag. Alleine schon deshalb muss die sportliche Entscheidung unberücksichtigt bleiben. Und rein wirtschaftlich wird der VfL sowieso nicht auf Champions League-Niveau planen, Corona sei dank!

„Es gibt keinen Pokal, es gibt keinen Wimpel, aber es wäre für mich gefühlt wie eine deutsche Meisterschaft.“ VfL-Sportdirektor Max Eberl hat diesen Satz schon häufig gesagt, wenn es um eine eventuelle Teilnahme Borussias an der Champions League ging. Vor dem letzten Spieltag dieser Saison wiederholte er ihn wieder und schickte gleich hinterher, dass der VfL eine gute sportliche Entwicklung genommen habe, vor allem wegen der Art, Fußball zu spielen und wegen der besseren Punkteausbeute als unter Trainer Dieter Hecking im vergangenen Jahr. Hecking musste gehen, obwohl die Europa-League-Qualifikation trotz einer sehr enttäuschenden Rückrunde als Erfolg verkauft wurde. Auch für Eberl wäre es deswegen prima, wenn Borussia es diesmal besser gemacht hat.

Wieder Vorsprung auf Bayer verspielt

Aber, auch dieses Mal hat der VfL etliche Punkte Vorsprung auf Leverkusen verspielt. Wieder war die Rückrunde bedeutend schlechter als die Hinserie. Dieses Mal aber waren die Umstände auch andere. Ein Club wie Borussia mit einer solchen Fangemeinde ist sicher mit Geisterspielen noch einmal mehr gestraft als ein Verein wie Leverkusen. Die Corona-Krise und die Art, wie die Bundesliga die Saison zu Ende gespielt hat, gehen hoffentlich als einmalige Ereignisse in die Geschichte ein. Ein Vergleich zu der Lust am Bundesligafußball der Hinrunde verbietet sich heute, zumal niemand wirklich weiß, wie die kommende Spielzeit über die Bühne gehen soll.

Klar, Champions League wäre wirtschaftlich schon klasse für den VfL, jetzt noch einmal mehr als ohnehin. Aber wollen wir wirklich Spiele gegen Barcelona, Liverpool, Juventus als Geisterspiele im Fernsehen sehen? Wann der Borussia-Park wieder mit vollen Rängen und singeskräftigen Kehlen seine Elf nach vorne peitscht, ist ungewiss. Dass die Borussia das gut gebrauchen könnte, auch unter Trainer Marco Rose, ist unzweifelhaft. Auf der anderen Seite hätte es sich die Mannschaft auch verdient, denn ungeachtet des Finales hat sie uns diese Saison sportlich wieder Spaß gemacht. Und nicht zuletzt hat der VfL bewiesen, dass er zu den Top fünf Teams der Bundesliga gehört, auf Augenhöhe zumindest mit Leipzig und Leverkusen.

Wochenlang Tabellenführer

Wochenlang war Borussia im vergangenen Jahr in dieser Saison Tabellenführer. Wochenlang nah dran an Bayern, eine halbe Saison zumindest mit Außenseiterchancen auf die Meisterschaft. So schlecht kann die Spielzeit nicht gewesen sein, selbst wenn es zum Schluss schief gegangen sein sollte! Rose darf besondere Umstände geltend machen, natürlich, aber auch er muss eingestehen, dass rein sportlich zum letzten Hecking-Jahr eben doch Parallelen festzustellen sind. Klar, die Punkteausbeute ist dieses Mal eine bessere und ja, in den allermeisten Spielen hat Borussia einfach viel besseren Fußball gespielt als unter dem Ex-Trainer. Letztlich gilt hier auch ein anderer Eberl-Spruch, der immer wieder zu hören ist, wenn es um die vorderen Tabellenplätze geht. „Wenn einer der anderen patzt, dann wollen wir da sein. Aber es muss schon alles einhundertprozentig für uns laufen“, sagt der Sportdirektor gerne sinngemäß. Dass es dann trotzdem nicht immer funktioniert, hat der letzte Spieltag 2019 bewiesen, hoffentlich ein einmaliges Ereignis.

Borussia wird in diesem Sommer zaghaft in den Kader investieren, denn den VfL treffen die Corona-Auswirkungen sicher noch einmal intensiver als die anderen vier der Top-Ligateams. Die wirtschaftliche Situation des Clubs sei aber stabil, sagte Eberl vor dem Saisonfinale. Es macht sich wörtlich und nachdrücklich bezahlt, dass Borussia eher konservativ wirtschaftet. So muss auch trotz Corona kein Leistungsträger verkauft werden und so wird es doch passieren, wenn es wirtschaftlich aufgrund einer zig Millionen Schweren Ablöse sinnvoll erscheint. Der Blick in die Zukunft ist zum jetzigen Zeitpunkt noch schwieriger als der zurück – aber eines scheint sicher: Egal, ob Borussia in der Champions oder Europa League spielen wird, sie wird besser durch diese Krise kommen als manche andere Clubs. Borussia wird auch in der nächsten Saison wieder vorne dabei sein und vermutlich bis zum Schluss mit Bayer Leverkusen um die begehrten Plätze kämpfen. Borussia hat sich dort etabliert, wo sie diese Saison über immer zu finden war:

in der Spitzengruppe der Bundesliga!

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