Clubhouse App
01.03.2021
Lifestyle

CLUBHOUSE - Drop-In Audio Chat

Wir müssen reden...

Redaktion: Marc Thiele

Bereits seit Mitte 2020 sorgt die Clubhouse App in den USA für Furore und hat dort reihenweise Influencer, Trendsetter und viele A-Z Promis in ihren Bann gezogen. Mitte Januar 2021 schwappte die Clubhouse-Welle dann auch nach Deutschland und nimmt hier seitdem ebenfalls rasant Fahrt auf. Da sich Clubhouse aktuell offiziell immer noch in einer Beta-Testphase befindet, kann man sich nicht einfach die App runterladen und ein Konto eröffnen, man muss von einem bestehenden Nutzer eingeladen werden oder sich auf die Warteliste eintragen lassen. Ein schlauer Marketingschachzug, denn verknappte Ressourcen sorgen immer für Aufsehen und eine hohe Nachfrage, was zum Hype beiträgt und die App immer erfolgreicher macht. Zwischenzeitlich wurden die sogenannten „Invites“ auf digitalen Marktplätzen wie Ebay für Preise bis zu 500€ gehandelt, ein Phänomen, das mit steigenden Nutzerzahlen und damit mehr zugänglichen „Einladungen“ schon fast wieder verschwunden ist.

Außer der notwendigen Einladung gibt es – zumindest aktuell - noch eine weitere Hürde. Die Clubhouse-App ist derzeit ausschließlich für iPhone erhältlich. Eine Android-Version wurde im Rahmen einer neuen, erfolgreichen Finanzierungsrunde bereits angekündigt, aber noch kein Datum genannt.

Hat man aber eine Einladung erhalten und verfügt über ein iPhone steht dem Live-Audio-Vergnügen nichts mehr im Wege. Live-Audio? Ja, Sie haben richtig gelesen. Bei Clubhouse geht es nicht um stylische Fotos, hippe Filmchen oder die visuelle Selbstdarstellung, sondern verbale Kommunikation in Echtzeit. Live, ungefiltert, ungeschnitten und authentisch. Keine Korrekturmöglichkeit, einmal gesagt ist gesagt.

Mit ihrer App springen die Clubhouse-Macher auf einen Trend auf. Denken Sie doch einmal darüber nach, wie sich Ihre eigene Nutzung von Sprachnachrichten z.B. bei Whatsapp oder dem Facebook-Messenger in den letzten Monaten verändert hat. Sicher schicken und empfangen sie mittlerweile mehr als noch vor einem Jahr. Haben Sie einen stimmgesteuerten Homeassistenten wie Alexa? Was ist mit Podcasts? Ein Medienformat, das schon seit längerem einen wahren Hype erlebt und das zurecht. Die Stimme ist nicht nur das älteste und zielgerichtetste Kommunikationsmittel, sondern wird gerade auch wieder zum beliebtesten. Man vertraut Stimmkommunikation deutlich mehr als (bearbeitbaren) Fotos oder Videos und umso mehr, wenn dies auch noch Live erfolgt. Im direkten, verbalen Austausch, zu einem bestimmten Thema, bekommt man ein unmittelbares, unverfälschtes und echtes Feedback. Keine anonymen Antworten, kein Verstecken hinter Pseudonymen, keine Möglichkeit etwas durch löschen, ungeschehen oder unsichtbar zu machen. Zudem vor Zeugen, dem zuhörenden Publikum, im Raum. Damit schafft Clubhouse etwas, das all die anderen Social-Media-Kanäle seit Jahren nicht umsetzen können. Man vertraut dem Content und auch den anderen Teilnehmern. Für manche kann diese Art der öffentlichen Livekommunikation aber auch problematisch werden, vor allem dann, wenn man sich nicht mehr bewusst ist, dass es sich um eine Social Media Plattform mit Zuhörern handelt und nicht um eine Plattform zum privaten Austausch mit Freunden. Thüringens Ministerpräsident wurde das mit seinem „Merkelchen-Gate“ medienwirksam zum PR-Verhängnis.

App installiert und jetzt?

Der Aufbau der Clubhouse-App ist recht übersichtlich. Über den Startbildschirm, auch genannt die „Hallway“, erreicht man alle Funktionen der App. Man sieht aktuell geöffnete und demnächst öffnende Räume und kann einfach einen eigenen Raum starten. Die fünf am oberen Rand platzierten Icons sind eigentlich selbsterklärend. Zudem verstecken sich dahinter nicht unzählige und oft undurchsichtig viele Funktionen, sondern es ist alles auf das Wesentliche und Notwendige reduziert. Auch das ist irgendwie eine Wohltat, wenn man Facebook & Co. als Vergleich heranzieht.

Nutzer und Clubs findet man über die Lupe. Hier kann man auch vorgeschlagenen Personen folgen, die gleiche oder ähnliche Interessen haben, oder nach Nutzern und Räumen in ausgewählten Interessensgebieten stöbern. Über den Briefumschlag kann man weitere Personen aus seinen Kontakten zu Clubhouse einladen. Der Kalender gibt einen Überblick über anstehende Räume / Talks und auch hier kann man einen eigenen Raum starten. Die Glocke symbolisiert ein Aktivitätsprotokoll, in dem man z.B. sehen kann, wer einem zuletzt folgt oder welche Räume Personen eröffnet haben, denen man selber folgt. Zu guter Letzt erreicht man über sein Profilbild das eigene Profil. Das war‘s auch schon. Mit diesen ersten Informationen zu Clubhouse sollte einem Start in dieser spannenden neuen Social Media Welt nichts mehr im Wege stehen. Es gibt natürlich noch einige andere Features und Informationen, so zum Beispiel die Clubs, die verschiedenen Räume, Details zu den verschiedenen Rollen als Besucher, Speaker und Moderator etc., aber das würde den Rahmen eines ersten Einblickes an dieser Stelle sprengen.

Vorsicht Datenschutz!

Ein Problem der App sollte aber trotz aller Begeisterung nicht unerwähnt bleiben, denn Datenschutzbeauftragten reicht bei der Begutachtung von Clubhouse keine hochgezogene Augenbraue mehr, um ihr deutliches Missfallen zum Ausdruck zu bringen. Eine Konformität mit der DSGVO oder anderen datenschutzrelevanten Richtlinien ist bei Clubhouse Fehlanzeige. Kann man dies im privaten Umfeld noch tolerieren, wird es im geschäftlichen Bereich schnell zu einer potentiellen Abmahnfalle. Hier lohnt sich definitiv eine Internetrecherche, um sich auf den neuesten Stand zu bringen. Zumindest haben die Macher Besserung gelobt, denn sonst dürfte Clubhouse zumindest in Europa ein schnelles Ende sicher sein und das wäre einfach zu schade.

Resumée:

Clubhouse ist erfrischend anders, spannend und es macht einfach Spaß. Trotz Datenschutzproblematik. Die App ist nicht nur der „Place to be“, sondern bietet tatsächlich auch authentischen Informationsmehrwert.