Pfarrer Christoph Simonsen und Rapperin Scapsis stehen in der Citiykirche ebeneinander, im Hintergrund ein großes Holzkreuz Pfarrer Christoph Simonsen und Rapperin Scapsis stehen in der Citiykirche ebeneinander, im Hintergrund ein großes Holzkreuz
Foto: © Michael Gornig
Pfarrer Christoph Simonsen von der Citykirche Mönchengladbach unterstützt Rapperin Scapsis - auch beim Videodreh.
01.06.2021
Kunst + Kultur

„Scapsis“ im Kampf für mehr Toleranz, Akzeptanz und Liebe

Eine Rapperin der besonderen Art

Redaktion: Jessica Sindermann

Authentisch, ehrlich, loyal – diese Attribute beschreiben die Rapperin Scapsis aus Heinsberg mehr als treffend. 2016 veröffentlichte die gebürtige Griechin Sofia Eleftheriadou alias Scapsis ihren ersten Song „Narbe im Gesicht“, der für sie selbst als eine Art Trauerbewältigung und letzten Dank an ihren verstorbenen Vater galt. Dass ihre Karriere von diesem Zeitpunkt an so rapide bergauf gehen würde, hätte sie selbst nicht erwartet: Ihre Selbstzweifel standen ihr in der Vergangenheit häufig im Weg und hielten sie davon ab, ihrer Leidenschaft nachzugehen. Es folgten weitere Titel und ihre EP „Old School“, für die sie gleich zwei Auszeichnungen beim Deutschen Rock und Pop Preis erhielt. „Rap ist meine Ausdrucksform. Ich kann mich am besten in deutscher Sprache mitteilen und habe es schon immer geliebt, Gedichte zu schreiben. Seitdem schafft es die nahbare Ausnahmekünstlerin durch Storytelling und autobiographische Texte, Menschen unterschiedlichsten Alters für den Deutsch-Rap zu begeistern. „Das Besondere ist, dass jeder sich mit meinen Geschichten identifizieren kann. Jeder Mensch hat bereits einen Verlust erlitten, wurde in der Vergangenheit von Selbstzweifeln geplagt oder war das erste Mal verliebt“, sagt Sofia Eleftheriadou.

Was die Rapperin von vielen anderen unterscheidet? Sie schaut hin, nicht weg – Sie engagiert sich sozial, ist Patin des Projektes „Schule mit Courage, Schule ohne Rassismus“ der Gesamtschule Heinsberg und setzt mit ihren Songs immer wieder ein Zeichen für mehr Toleranz, gegen Hass und Diskriminierung. „Lasst uns Gläser statt Waffen heben; Hass ist nicht das, was uns Menschen vereint“, heißt es beispielsweise in ihrem Song „Nein“, der im letzten Jahr als ihr Beitrag zu dem Schulprojekt erschienen ist. „Weniger ist bei mir mehr. In meinen Texten sucht man das, was typischerweise von Rap erwartet wird, vergeblich. Ich erzähle weder von fetten Autos, noch von Gras, denn damit kann ich mich selbst nicht identifizieren. Bei allem, was ich veröffentliche, bleibe ich mir selbst treu und möchte auch anderen Menschen signalisieren: Sei du selbst. Du musst dich nicht verstellen, um etwas im Leben zu erreichen“, verrät die 36-jährige. Eine starke Message!

Auch mit ihrem neusten Song „Sag mir“, dessen Musikvideo verschiedene Orte aus der Mönchengladbacher Club- und Kulturszene zum Schauplatz einer Liebesgeschichte macht, möchte sie Menschen Mut machen und sich für die Liebe und Diversität einsetzen. „Dieses Lied ist eine Widmung an meine heutige Ehefrau. Es handelt von der Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und der Entschlossenheit, zu sich selbst zu stehen. Jeder, der fähig ist zu lieben, kann sich in diesem Song wiedererkennen.“ Zur Kulisse ihres Videos wurden kurzerhand das Projekt 42, die Fashionbox, das Schloss Wickrath und die Citykirche, deren Pfarrer Christoph Simonsen nicht nur Flagge zeigte, sondern sogar selbst im Clip mitwirkte und dadurch stellvertretend für die katholische Kirche die LBTGQ-Szene unterstützte. „Als ich kürzlich im Projekt 42 im Rahmen der „Poetry Slam und Lesebühne“ einen Live Stream hatte, wurde mir wieder bewusst, wie suspekt die jetzige Situation besonders für die Kunst- und Kulturszene eigentlich ist. Clubs, Veranstaltungshallen und Theater müssen ihre Türen für Publikum seit Monaten geschlossen halten und Künstler performen vor leeren Rängen. Da kam mir die Idee, diese Orte und Situation in mein Video zu integrieren und dem Stillstand auf diese Weise etwas entgegenzuwirken.“ Gesagt, getan! Dank tatkräftiger Unterstützung und der Offenheit aller Beteiligten konnten diese Vorstellungen umgesetzt werden: Mit Erfolg – das Ergebnis kann sich wirklich sehenlassen!

Zurzeit arbeitet Scapsis gemeinsam mit ihrem Produzenten an verschiedenen Songs und den dazugehörigen Beats. „Ich bin optimistisch, dass ich dieses Jahr noch eine neue EP veröffentlichen werde“, verrät die Künstlerin. Alle Fans können demnach gespannt sein!

Wir sagen „Weiter so!“ zu diesen lobenswerten Absichten und zu einer Rapperin der besonderen Art, die mit ihren Songs wichtige Statements setzt!


Mehr zu und von Scapsis gibt es online:

https://spoti.fi/39TkvJG
www.facebook.com/scapsismusik
www.instagram.com/scapsismusik