Dezember 2020

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MEDIZIN+CO

MEDIZIN+CO 04/2020

GESUNDHEITSBERUFE 2020

GESUNDHEITSBERUFE 2020

Mönchengladbacher Nuklearmedizinerin auf weltweit wichtigstem Radiologenkongreß

Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Kliniken Maria Hilf Mönchengladbach

In der Klinik für Nuklearmedizin der Kliniken Maria Hilf in Mönchengladbach wird bereits seit fast 10 Jahren eine innovative Methode zur Auswertung einer Lungenszintigrafie verwendet.

Die Lungenszintigrafie ist eine seit Jahrzehnten etablierte diagnostische Maßnahme, um herauszufinden, ob ein Patient an einer Lungenembolie leidet, d.h. ob ein Blutgerinnsel die Durchblutung einzelner Lungenbereiche verhindert.

Zugleich liefert eine solche Untersuchung wertvolle Zusatzinformationen bezüglich der Verteilung von Luft und Blut in den einzelnen Lungenarealen und erlaubt die zuverlässige Berechnung der Funktionsanteile der einzelnen Lungenlappen.

Die Lungenszintigrafie wird dementsprechend auch oft eingesetzt, um bei Patienten mit Lungenkrebs oder Lungengerüsterkrankungen wie COPD/Emphysem zu berechnen, ob nach einer möglichen Operation bzw. einem endoskopischem Eingriff noch genug und vernünftig arbeitendes Lungengewebe zu Verfügung steht.

In der Nuklearmedizin wird seit Jahren an der Verbesserung und Vereinfachung der quantitativen Auswertung geforscht und gearbeitet. Insbesondere bei der Einführung einer durch die Computertomografie unterstützten 3D-Auswertung war die hiesige Klinik zusammen mit Softwareentwicklern renommierter Firmen deutschlandweit führend. Die Verwendung des CT und der Szintigrafie in Kombination erlaubt eine viel individuellere und auf den jeweiligen Patienten und seine Erkrankung zugeschnittene Diagnostik. Dies ist mittlerweile durch eigene sowie internationale Studien eindeutig belegt.

Die Ergebnisse der langjährigen Arbeit wurden in mehreren Fachzeitschriften publiziert und von Oberärztin Dr. Daniela Knollmann auf unzähligen nationalen und internationalen Kongressen präsentiert. 2019 wurde ihr der „Jörg-Mahlstedt-Gedächtnispreis für wissenschaftliche Originalarbeiten auf dem Gebiet der Weiterentwicklung klinisch angewandter nuklearmedizinischer Diagnostik“ des Berufsverbands Deutscher Nuklearmediziner (BDN) verliehen.

Im Rahmen der jüngsten Zusammenarbeit mit der Firma Siemens Healthineers wurde der Prototyp einer neuen Software monatelang in der Klink für Nuklearmedizin der Kliniken Maria Hilf getestet. Dieser verwendet einen neuen Algorithmus mit künstlicher Intelligenz (KI) und arbeitet vollautomatisch. „Die insbesondere zu Beginn der Forschung sehr zeitaufwändige manuelle Bearbeitung und Analyse mit den vorherigen Computerprogrammen wird mit der neuen vollautomatischen Variante deutlich vereinfacht und die Auswertezeiten werden dramatisch verkürzt“, so Dr. Knollmann. „Sprach man früher von einer ¾-Std. und freute sich nach ersten nennenswerten Verbesserungen der Computerprogramme über eine Auswertzeit von 10 Minuten, bis man nun schließlich bei 1 – 2 Minuten dafür angelangt ist.

„Die eingesparte Zeit kann wiederum für andere Untersuchungen und die Betreuung der Patenten genutzt werden“ ist auch die Meinung vom Chefarzt der Klinik, Prof. Dr. Dr. Wolfgang Schäfer, der die Entwicklung stets mitbegleitet hat.

„Natürlich wird das Ergebnis der KI von den Ärzten weiterhin kontrolliert und ggf. korrigiert. „Bislang ist Letzteres allerdings nur in wenigen Einzelfällen erforderlich gewesen. Das Programm arbeitet schnell, effizient und zuverlässig.“ so Dr. Knollmann.

Die neue, mit Künstlicher Intelligenz arbeitende Software ist mittlerweile kommerziell verfügbar und wird nach Installation in der nächsten Woche zukünftig von den Nuklearmedizinen der Kliniken Maria Hilf verwendet werden.

Über ihre ersten Erfahrungen mit der künstlichen Intelligenz hat Frau Dr. Knollmann bereits während der nationalen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) im Juli und der Europäischen Gesellschaft für Nuklearmedizin (EANM) im Oktober berichtet.

Nun wird sie diese Ergebnisse auch im Rahmen der aktuell stattfindenden weltweit größten und wichtigsten radiologischen Fachkongresses (RSNA) vorstellen, aufgrund der Corona-Pandemie natürlich online.

Das eine Nuklearmedizinerin auf einem radiologischen Fachkongreß präsentiert, liegt daran, dass andernorts die Nuklearmedizin und Radiologie als eng verwandte Fachbereiche gelebt werden. Daniela Knollmann stört das wenig. „Mit den Kliniken Maria Hilf komme ich aus einer großen, extrauniversitären Klinik und darf im Auftrag eines der größten Medizingeräteherstellers auf dem weltweit wichtigsten Radiologiekongress, RSNA, meine Untersuchungsergebnisse zur Arbeit mit einem KI-basierten Programm vorstellen. Da dürfen die „Fach-Verwandten“ gerne zuhören“,sagt Knollmann zurecht mit ein bisschen stolz.

Hier geht es zur Online-Vorstellung am 20.11.2020.

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