Die Außenansicht der neuen Zentralbibliothek in Mönchengladbach Die Außenansicht der neuen Zentralbibliothek in Mönchengladbach
Foto: Copyright: Julia Schambeck
Durch die unterirdische Erweiterung samt vorgelagertem Lichthof wurde die Straßenansicht auf das denkmalgeschützte Ensemble erhalten.
07.02.2024
Aktuelles

Zentralbibliothek wird mit Architekturpreis Linker Niederrhein ausgezeichnet

Knapp drei Jahre lang wurde im Carl-Brandts-Haus der Stadtbibliothek gebaut und gewerkelt. Die Zentralbibliothek der Vitusstadt wurde dabei denkmalgerecht modernisiert, aber auch unter- und oberirdisch erweitert. Mit dem erneuerten Gebäude wurde zudem ein gänzlich neues Nutzungskonzept verwirklicht. Für diese Leistung erhalten die Stadt Mönchengladbach und das Architekturbüro Schrammel aus Augsburg nun den Architekturpreis Linker Niederrhein.

"Undogmatisch und frei von Ideologie wird hier bestehende Architektur für zeitgemäße Bedürfnisse adaptiert und aktualisiert", heißt es in der Jury-Begründung. Und weiter: "So wird die Zentralbibliothek ein im städtischen Umfeld präsenter Bau, ein inklusiver Ort ohne Barrieren, der alle Mitglieder der Stadtgesellschaft gleichermaßen einlädt und somit zu dem, was in der Soziologie als ‚soziale Tankstelle‘ bezeichnet wird: Ein geschützter Raum, in dem wir uns über unsere jeweiligen Milieugrenzen hinweg niederschwellig begegnen können."

Brigitte Behrendt, Leiterin Stadtbibliothek Mönchengladbach: "Ein Baudenkmal und eine Bibliothek der Zukunft? Mit einem spannenden Entwurf zwischen Denkmalschutz und Modernität haben Schrammel Architekten der innovativen Bibliothekskonzeption auf 3.000 qm erfolgreich Raum gegeben: als Ort für das Quartier, hybriden Lernort, innovativen Vernetzungsraum, Freiraum, Denkraum, Spielraum, (inter)kulturellen Treffpunkt und Ideenmanufaktur, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Die Stadtgesellschaft hat hier einen neuen Treffpunkt, den sie selbst mit entwickeln kann, denn sie ist auch zum regen Austausch und aktiven Gestalten eingeladen: »bibliotheken ist ein Verb«. Diese »Philosophie« zieht sich durch die ganze Bibliothek von Atelier Urban über Makerspace bis zum Studio"

Holger Janke, Projektleiter beim städtischen Gebäudemanagement (gmmg): "Es hat sich herausgestellt, dass ein Realisierungswettbewerb unter verschiedenen Architekturbüros die richtige Lösung für die Planung und Ausführung der Zentralbibliothek gewesen ist. Nur durch eine Vielfalt von Planern und Gutachtern in Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber war es möglich, die Bausubstanz des Gebäudes zu ermitteln, um so eine fach- und sachgerechte Bearbeitung der Bibliothek möglich machen zu können. Herauszuheben ist hier die Zusammenarbeit aller am Baubeteiligten als Team. Nur so konnte man der neuen Zentralbibliothek in seiner Gestaltung und Funktion gerecht werden."

Dr. Stefan Schrammel, Architekturbüro Schrammel: "Eine moderne Bibliothek und das herausragende historische Gebäude, ganz zurecht ein Baudenkmal, zusammen zu bringen war unser Anspruch. Der große Zuspruch der ersten Monate zeigt, dass dies auch gelungen ist. Der Weg dahin war nicht einfach, gab es doch zahlreiche konstruktive und bauphysikalische Probleme zu lösen. Das Gebäude war nach mehr als 60 Jahren in einem schlechten Zustand: Stahl war korrodiert, Dämmungen waren nicht vorhanden oder zu gering. Die prägenden Baudetails, wie die Fliesen, die Glaskunst im Saal oder die Terrazzo-Bodenbeläge wurden in enger Absprache mit den Denkmalbehörden rekonstruiert oder restauriert. Die Fläche wurde mit zwei Neubauteilen erweitert. Diese Verbindung von Alt und Neu macht das Erleben der Bibliothek so spannend."

So hat sich die Zentralbibliothek gewandelt
Architektonisch stechen bei der Modernisierung und Erweiterung der Zentralbibliothek unter anderem der gezielte Einsatz von Tageslicht und der behutsame Umgang mit dem Denkmal hervor. Zu den größten baulichen Veränderungen zählt der Neubau entlang der Blücherstraße. Dadurch, dass dieser unterirdisch gebaut wurde, bleibt die Straßenansicht auf das historische Gebäudeensemble unberührt. Durch einen großzügigen Lichthof wird der Neubau mit ausreichend Tageslicht versorgt. Auch die Plaza, der überbaute ehemalige Innenhof direkt neben dem Foyer, besticht durch den Tageslichteinfall. Ebenso wie die zusätzlichen Publikumsflächen im Obergeschoss, in denen früher Büros waren.

Für die Fassade des Eingangsbereichs hat das gmmg 150 Quadratmeter blaue Fliesen denkmalgerecht nachbrennen lassen. Am Archivturm wurde die Blechverkleidung zurückgebaut und die Fassade wieder der originalen Optik aus den 60er Jahren nachempfunden. Die neue Zentralbibliothek ist damit im Herzen noch dieselbe – aber doch eine ganz neue. Was für das Gebäude gilt, trifft für die Institution Bibliothek umso mehr zu. Mit einem Café, Bereichen zum Tüfteln und Selbermachen, dem Wandelsaal als Veranstaltungsraum, dem Gaming Hub zum "Zocken", einem e-Piano zum Musizieren, zahlreichen bequemen Sitzgelegenheiten und vielen weiteren Angeboten ist die neue Zentralbibliothek heute viel mehr ein Treffpunkt im Quartier als ein klassischer Ort der Medienausleihe.

Über den Architekturpreis Linker Niederrhein
Die regionalen Gruppen des Bund Deutscher Architekten (BDA) vergeben alle drei Jahre den "Architekturpreis" (bis 2017 "Auszeichnungen guter Bauten") für herausragende Bauten, Bauensembles und städtebauliche Projekte. 2023 hat die Regionalgruppe Linker Niederrhein die Zentralbibliothek Mönchengladbach zum Sieger gekürt und darüber hinaus zwei Anerkennungen ausgesprochen: für das Kreisarchiv Viersen und für ein privates Bauvorhaben (Nachverdichtung im Hinterhof) in Rheydt. Offiziell übergeben wird der Architekturpreis auf einer vom BDA noch zu terminierenden Preisverleihung. Aufbauend auf die regionalen Architekturpreise 2023 wird dieses Jahr der "Architekturpreis Nordrhein-Westfalen" ausgelobt.