Magazin-Rubriken

Oktober 2017

Aktuelle Ausgabe als PDF - Oktober 2017
Aktuelle Ausgabe
PDF
Weitere Ausgaben
Archiv

Veranstaltungen

< Oktober 2017 >
Mo Di Mi Do Fr Sa So
            1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29
30 31          
Foto: Matthias Stutte
Foto: Matthias Stutte

Ich wollte einfach nur Tanzen

Cecile Medour und Paolo Franco verlassen das Ballettensemble des Theaters Krefeld Mönchengladbach. Die beiden Tänzer haben die Compagnie von Ballettdirektor Robert North über mehrere Jahre entscheidend mitgeprägt und waren in zahlreichen Solorollen zu erleben. Im Interview erzählten sie uns vom Künstlerleben und von ihren Zukunftsplänen.

Interview: Sabrina Forst

 

Wann seid Ihr zum ersten Mal mit dem Tanzen in Berührung gekommen?

Paolo: Ich war auf einer Veranstaltung, bei der Tänzer einer Schule ihre Choreografien zeigten und einluden, mitzumachen. Das hat mich sehr berührt und fasziniert.

Cecile: Als ich sechs Jahre alt war, haben mich meine Eltern in einer Tanzschule angemeldet. Das war damals schon mein eigener Wunsch. Ich habe sie darum gebeten.

Wann habt Ihr beschlossen, das Tanzen zum Beruf zu machen?

Paolo: Ich habe nach einem Wettbewerb ein Stipendium für eine professionelle Tanzschule erhalten, die ich dann absolviert habe. Danach hat mich Robert hier ans Theater gerufen. Das war mein erstes festes Engagement.

Cecile: Ich wollte immer Tänzerin werden. Wenn ich mich zurückerinnere, gab es nie eine andere Option für mich. Meine Eltern erlaubten mir allerdings nur, zu einer normalen Schule zu gehen. Ich konnte meine professionelle Tanzkarriere also erst beginnen, als ich 18 wurde. Und das tat ich dann auch.

Foto: Matthias Stutte
Foto: Matthias Stutte

Was waren Eure Träume zu Beginn? Reisen? Berühmt werden?

Paolo: Das war ein sehr kleiner Traum, nämlich engagiert zu werden, mich nur ums Tanzen kümmern zu müssen und nicht um das Drumherum. Deshalb war ich sehr froh, als Robert mich nach Mönchengladbach holte.

Cecile: Ich wollte frei sein und mich ausdrücken können. Natürlich muss man das tun, was der Choreograf vorgibt, aber Bewegungen stehen für mich immer in direktem Zusammenhang mit dem Gefühl der Freiheit.

Was war besonders schwierig auf Eurem Weg als Künstler?

Paolo: Es gab sehr viele körperliche Herausforderungen, aber das ist ja normal für einen Tänzer. Wirklich schwer war es, ich selbst zu bleiben. Ich bin weit weg von meiner Familie in einem fremden Land und man lebt natürlich in einer Art „Blase“ am Theater. Ich bin zum Beispiel in den Jahren hier nur selten mit Mönchengladbachern in Kontakt gekommen, habe nicht einmal die deutsche Sprache gelernt.

Cecile: Es war für mich schwer weiterzukommen, ohne eine renommierte nationale Schule im Rücken zu haben. Und es war schlicht sehr schwer, zu überleben, denn meine Eltern wollten meine Tanzkarriere nicht unterstützen. Wenn du mit 18 ohne finanzielle Unterstützung in Paris lebst, musst du richtig fleißig sein. Ich habe immer viel getan, damit es weitergeht, damit ich heute noch immer Teil der Tanzwelt bin. Das ist das schwierige für einen Tänzer: im Laufe der Jahre dabeizubleiben.

Was hat Euch in Mönchengladbach besonders gut gefallen?

Paolo: Ich hatte sehr viel Spaß und mochte es, Teil dieses Theaters zu sein und diese Möglichkeiten der Weiterentwicklung zu nutzen. Es war ja mein erster Job und ich bin mitgewachsen. Ich war erst 19, als ich nach Mönchengladbach kam.

Cecile: In Frankreich ist es sehr schwierig, einen solchen Ort wie hier zu finden, an dem man über längere Zeit sicher ist. In Frankreich gibt es überwiegend kleine Projekte. So mit dem Tanz zu leben wie hier, ist nahezu unmöglich. Ich erinnere mich noch daran, dass ich mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren bin und gedacht habe: Ich muss mich um nichts kümmern, ich kann einfach nur tanzen. Das war wunderbar.

Seid Ihr traurig, das Theater Krefeld Mönchengladbach zu verlassen?

Paolo: Es ist zwar schön, Teil eines Unternehmens zu sein. Aber nach einer so langen Zeit, in der Du jeden Tag hart arbeitest, freust Du Dich auch auf Neues. Vielleicht pausiere ich ein Jahr, vielleicht nehme ich als Freelancer Projekte an, vielleicht eigne ich mir weiter Kompetenzen für die Zeit nach der aktiven Tanzkarriere an. Ich bin offen für das, was kommt.

Cecile: Ich habe ja im Vorfeld schon viele Qualifikationen in verschiedenen Bereichen erworben und hoffe, dass es einige Dinge gibt, die als nächstes tun kann. Aber ja, ich bin traurig, das Theater hier verlassen zu müssen.

Foto: Matthias Stutte
Foto: Matthias Stutte

Cecile Medour ist Tänzerin, Choreografieassistentin und Benesh-Choreologin. Sie nahm Unterricht bei dem renommierten Jazz- Choreografen Raza Hammadi und erhielt 2005 ihr Diplom als Jazzdance-Lehrerin. 2010 absolvierte sie am Conservatoire de Paris eine Ausbildung als Choreologin für Benesh-Notation. Seitdem arbeitete sie in verschiedenen Compagnien, u. a. mit Jean-Claude Gallotta und Emio Greco, in der Vertigo Dance Company und im Ballet Jazz Art. Ihre Tätigkeit als Choreologin und Bewegungstrainerin, z. B. bei den Laboratoires d’Aubervilliers und der Batsheva Dance Company Israel, wird vom französischen Ministerium für Kultur unterstützt. Cecile Medour arbeitet auch als Trainingsmeisterin und Choreografieassistentin für verschiedene französische Compagnien.

 

 

Foto: Matthias Stutte
Foto: Matthias Stutte

Paolo Franco wurde in Italien geboren, wo er auch seine klassische Tanzausbildung absolvierte. Von 2003 bis 2009 studierte er an dem Liceo Coreutico Teatro Nuovo in Turin. Ab 2007 tanzte er gleichzeitig im Ensemble des Teatro Nuovo Di Torino mit. 2003 und 2005 gewann Franco jeweils den 1. Preis beim Wettbewerb Fondazione Teatro Nuovo sowie den 2. Preis beim Wettbewerb Vignale Danca.Seit der Spielzeit 2009/2010 ist Paolo Franco Mitglied des Ballettensemble des Theaters Krefeld und Mönchengladbach.

 

 

 

 

 

Zurück

Diese Webseite verwendet Cookies. Weiterlesen …