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Foto: Matthias Stutte
Foto: Matthias Stutte

Ein vollendeter Moment

Die Operette „Die Faschingsfee“ feiert am 23. September Premiere. Bühnenbildner Siegfried E. Mayer und Regisseur Carsten Süss erzählten uns davon, weshalb das Bühnenbild hierbei eine besondere Rolle spielte und dass man als Bühnenbildner immer auch ein Stück weit Kind bleibt.

Interview: Chiara Porada

Was war das Besondere an der Arbeit zur „Faschingsfee“?

Mayer: Oft wird das Bühnenbild erst nach und nach in die Überlegungen zu einem Stück einbezogen, aber Carsten und ich haben von Anfang an zusammengearbeitet. Wenn man eine geschniegelte Zwischenkriegszeit-Operette in die Nachkriegszeit setzt, ist das ein großer Vorgang. Das Konzept über das Bühnenbild zu entwickeln, kann helfen, denn: Meine Aufgabe als Bühnenbildner ist nicht, eine Bühne designmäßig zu gestalten, sondern mit verschiedenen Dingen eine Wirkung zu erzielen.

Süss: Z.B. könnten wir einfach zerbombte Häuser zeigen, wir wollen aber einen Schritt mehr und die Stimmungren, die Atmosphäre deutlich machen: Wenn wir z.B. im zweiten Akt einen großen Atelierraum sehen, ist das erstmal ein großer Raum mit riesengroßen Bildern. Der macht aber etwas mit den Zuschauern: Man kann künstlerische Freiheit empfinden, sich aber auch verloren fühlen.

Warum haben Sie „Die Faschinsgsfee“ ins Nachkriegsdeutschland versetzt?

Süss: Das Stück spielt original in Österreich 1917, eine Zeit, die für dieses Land eine viel größere Bedeutung hat als für Deutschland. Wir haben überlegt, in welcher Zeit die Gesellschaft bei uns ähnlich strukturiert war und uns für die wahnsinnig verstaubten, katholischen Nachkriegsjahre der 50er entschieden. In dieser Zeit sucht eine Frau, die 25 Jahre nicht in Deutschland war, das alte Deutschland, das sie kennt.

Mayer: Außerdem versuchen wir damit, wieder mehr politische Schärfe in die Operette zu bringen, so, wie es zu ihrer Entstehungszeit um 1870 herum war. Mit der Zeit wurde sie immer populistischer; am wichtigsten war die allgemeine Heiterkeit ohne Ecken und Kanten.

Und die „Faschingsfee“ ist nicht mehr lustig?

Süss: Doch und wie! Aber der Humor entsteht aus einer Situationskomik heraus und nicht aus einem aufgesetzten „Wir müssen schunkeln und lustig sein.“ Dafür gibt es auch genug Momente, die nicht lustig sind, und diese Spannbreite von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt macht eine gute Operette so spannend.

Wie ist am Bühnenbild des Stücks auffällig?

Mayer: Wir arbeiten, um einen wahnsinnig vollendeten Moment auf der Bühne zu schaffen, in dem alles für den Zuschauer zusammenläuft und er die Atmosphäre als natürlich wahrnimmt, ohne dass eine Sache besonders heraussticht. Eine Rarität in der heutigen Zeit, in der alles zügiger gehen soll, ist aber, dass wir zwei Pausen haben und damit drei tolle, verschiedene Bühnenbilder.

Süss: Die Bühnenbilder beschreiben nicht nur die Stimmung der jeweiligen Situation, sondern auch die Gefühlslage der einzelnen Menschen, die dort agieren. Stellen Sie sich mal vor, sie kommen nach Hause, haben einen ganz schlechten Tag und ihre Wohnung erscheint Ihnen wahn sinnig klein. Dann kommen drei Leute zu Besuch. Dadurch wird die Wohnung auch nicht größer, aber die Atmosphäre ändert sich total. Siggi hat es hinbekommen, diese emotionale Situation in eine räumliche umzusetzen.

Gehört ein Glas auf der Bühne auch zum Bühnenbild?

Mayer: Wenn es ein Objekt ist, aus dem nur getrunken wird, ist es eine Requisite. Zum Bühnenbild gehört es, wenn es inszeniert wird: Angenommen ein Stück spielt im Winter. In einem Glas steht eine Blume und sowohl das Wasser als auch die Blume sind gefroren; der Zuschauer nimmt die Atmosphäre dadurch als eiskalt wahr. Das Glas ist dann kein einfaches Glas, sonden der Einstieg in diese Welt.

Woher kommen die Gegenstände?

Mayer: Viele Dinge kommen aus dem Theaterfundus, aber manchmal wird gekauft, recherchiert, in der Werkstatt des Bühnenbildes gebaut oder gespendet. Danach wandern sie wieder in den Fundus zurück oder landen bei jemandem zuhause.

Bauen Sie selber?

Mayer: Ich würde gerne. Aber erstens habe ich zwei linke Daumen und zweitens würde ich so übersichtlich bauen, dass ich es hinkriege. So kann ich die Arbeit weitergeben und einfach sagen: „Leute, so kompliziert kann das doch nicht sein!“ Oft geht es, aber manchmal lässt sich eine Idee, die im Kopf toll war, auf der Bühne nur schwer realisieren und braucht z.B. viele Stützen, um stehenzubleiben. Aber ich probiere gern Dinge aus und bewahre so das Spielkind in mir.

Wem würden Sie die „Faschingsfee“ empfehlen?

Mayer: Allen. Das ist das neue Familienstück.

Süss: Ich würde sie vor allem Leuten, die keine Operette mögen, empfehlen. Danach mögen sie sie – da bin ich mir ganz sicher.

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