Stadtleben
Die Lungenheilstätte im Hardter Wald
Januar 2012

Als im August 1904 die ersten Patienten in der neuen Lungenheilstätte eintrafen, galt die Tuberkulose noch als schwer oder unheilbar. Auch die Stifterin der Klinik starb mit nur 46 Jahren an ihr. Von Louise Gueury selbst ist wenig bekannt. Ihr Testament legte fest, dass der Großteil ihres Vermögens zur Errichtung und zum Unterhalt einer Volksheilstätte für heilbare Lungenkranke verwendet werden sollte. Es sollte auch ein Kontingent von Freibetten für Gladbacher eingerichtet werden, die sich den Aufenthalt finanziell nicht leisten konnten.
Zur Pflege der Patienten wurden testamentarisch die Schwestern des Ordens der Armen Dienstmägde Jesu Christi (Dernbacher Schwestern) bestimmt, die dieser Aufgabe viele Jahrzehnte bis 1991 nachkamen. Die Klinik hatte seit der Gründung bis 1984 einen eigenen katholischen Priester als Krankenhausseelsorger.
1903 wurde der Bau im Hardter Wald in Angriff genommen und bereits am 3. August 1904 wurde das Sanatorium feierlich eingeweiht. Entgegen dem Testament wurde nur eine Lungenheilstätte für Frauen errichtet, was dringender erschien, da für männliche Patienten anderen Orts ausreichend Kapazitäten bereitstanden. In die Heilstätte konnten gleichzeitig über hundert Frauen aufgenommen und behandelt werden, wobei die Freistellen (kostenlose Plätze) nur an Mönchengladbacherinnen vergeben wurden. Die Patientinnen kamen aus dem gesamten Rheinland. Nach und nach wurden dann doch auch Männer aufgenommen.
Den Patienten stand neben dem vierstöckigen Haupthaus mit Kapelle, Speise- und Tagesraum auch eine 36 Meter lange Liegehalle zu Verfügung. Das Gelände umfasste 120 Morgen Land zum Spaziergang und zur Erholung. Schon bald erfolgte ein weiterer Bau für das Personal, eine Fürsorgestelle wurde eingerichtet und 1906 entstand die Waldschule. Dies war ein Holzhaus mit einem geschlossenen Schulraum und einer offenen Halle zum Unterricht für die Kinder aus der Klinik, aber auch für erholungsbedürftige Kinder von außerhalb der Klinik. Letztere verbrachten einen ganzen Tag in der Walderholungsstätte und kehrten abends zu ihren Eltern nach Gladbach zurück.
Den Zweiten Weltkrieg überstand die Anstalt mit geringen Schäden. Während des Krieges diente sie jedoch der Behandlung tuberkulöser Soldaten und Kriegsgefangener. Als 1945 im Wald gelagerte Munition gesprengt wurde, führte dies zu Glasbruchschäden im Gebäude. 1954 trat zur bestehenden Klinik ein neuer Bau mit 62 Betten auf drei Stationen, für das Personal gab es ab 1958 bessere Unterkünfte. In den 60er-Jahren wurde die Klinik zu einer modernen Lungenklinik umgebaut. Gleichzeitig wurden die eigenen Wirtschaftsbetriebe (Bäckerei, Metzgerei) wegen Unwirtschaftlichkeit geschlossen, in den 70ern erfolgte die Schließung der Landwirtschaft, der Schweinemast und auch der eigenen Wäscherei.
Beginnend 1984, wurde die Geriatrie aufgebaut, die zunehmend die freien Kapazitäten der Lungenklinik und am Schluss das ganze Haus übernahm.



