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Bissmarc macht mal Pause

April 2011

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Bei dem ganzen Mist, der da draußen, außerhalb unserer kleinen Stadtwelt, geschieht, kann einem doch wirklich die Lust vergehen, sich über unsere alltäglichen Provinzpossen und Schildbürgerstreiche aufzuregen. Bei mir zumindest ist das im Moment so. Was sind schon lokale Inkompetenz und im Grunde genommen belanglose, aber ständig thematisierte pseudopositive Projekte gegen Tsunami, Atomkatas-trophe und Krieg? Rein gar nichts.

Ehrlich gesagt, ist es auch auf Dauer ein wenig langweilig, gebetsmühlenartig jeden Monat auf die gleichen Köpfe einzudreschen und zu sagen: „Ihr seid scheiße, Ihr könnt nichts und Ihr nehmt Euch viel zu wichtig“. Wenn es dann auch noch anfängt Spaß zu machen und man sich auf die teils wütenden Reaktionen irgendwie freut, spätestens dann sollte man mal eine Pause einlegen. Genau das tue ich in den nächsten Monaten mal: abschalten, das HB Männchen im Schrank lassen und neuen Stoff sammeln, über den ich mich dann nach der Pause aufregen kann. Ich bin sicher, dass es bald wieder genügend Stoff gibt, um an die Decke zu gehen, schließlich lebe ich ja in Mönchengladbach.

In der Zwischenzeit genieße ich seit Anfang an die tägliche Berichterstattung über die Katastrophe in Japan und rege mich über die absolut miese Sensationsjournaille auf, die die Kollegen von N-TV, N-24 etc. da an den Tag legen. Haben Sie das auch verfolgt? Das hatte doch rein gar nichts mehr mit seriöser Berichterstattung zu tun, sondern war reine Sensationsgier. Wie die beschissenen Gaffer bei einem Autounfall oder einer Flut. Mittlerweile kenne ich wohl auch jeden „Fachmann“, der während seines Arbeitslebens auch nur mit einem einzigen Atom in Berührung gekommen ist und unbedingt etwas zum Thema beitragen muss – egal wie bescheuert und irrelevant das auch ist. Hauptsache, Maul aufmachen und Senf dazugeben. Am schlimmsten waren und sind diese „Breaking News“ ... Feuer an, Feuer aus, Feuer an, wieder aus, wieder an. Qualm, kein Qualm, Strahlung hoch, runter, hoch, runter. Arbeiter rein, raus, rein und wieder raus. Es strahlt und dann wieder nicht. Ätzend. Dann noch die Wettervorhersage, wo jeder unterhalb der höheren Bildung in Deutschland plötzlich dachte, dass auch sein Vorgarten verstrahlt sei.

Ist mein Bier noch sicher, ist ja auch Wasser drin. Manche haben sich dann auch erst mal Jod-Tabletten gekauft und die prophylaktisch zu sich genommen. Man kann ja nie wissen. Dumm nur, dass radioaktives Jod eine Halbwertszeit von gerade mal 8 Tagen hat und dann ungefährlich ist ... wie lange braucht so ein Jod- Partikel wohl für die 8.000 Kilometer von Japan bis Deutschland, über die USA oder Russland, durch den ganzen Wind und den Regen...?

Nach einigen Tagen medialer Panikmache haben die Verantwortlichen dann wohl auch gemerkt, dass das Ganze ein wenig aus dem Ruder läuft und sich dazu entschlossen, teilweise wieder zur Normalität zurückzukehren. Außer sich ständig wiederholenden Katastrophenbildern mit passender tragischer Musikuntermalung wurden dann Dokus über Hiroshima und den Tsunami 2004 gesendet. Klasse. Mich wundert es, dass die Suizidrate in Deutschland nicht sprunghaft angestiegen oder eine Massenpanik ausgebrochen ist. Aber dann kam ja Gott sei dank mal wieder ein neuer Krieg und Angelas plötzlicher Atomausstieg hat Japan erst mal von der Pole Position verdrängt. Schade nur, dass irgendwie immer nur die „gewaltigen“ Bilder im Vordergrund stehen. Explosionswolken über Atomreaktoren in Sendeschleife oder explodierende Munitionslager in Libyen. Die Menschen aber, die unter all dem leiden, geraten dabei fast komplett in den Hintergrund, außer sie sind eine Headline wert und liefern den Gaffern und Geiern das was sie wollen: Sensationen, Leid und Tod. Widerlich. Vielleicht verstehen Sie jetzt, wieso ich eine Pause mache. Die Realität da draußen ist umso viel schlimmer, als unsere kleine lokale Zweitliga-Schildbürgerwelt in MG-Actiontown. Ich gehe jetzt in meine Pause und sammle fleißig neue Anekdoten und Ärgernisse, um mich in ein paar Monaten zurück- zumelden.

Bis dann –
Ihr Bissmarc

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