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Der HINDENBURGER BLOG

10Oktober2008

Ein Fall für den Rach

Eingestellt von admin in: Bissmarc.

Es ist Sonntag. Sie möchten wie immer ein leckeres Frühstück in Ihrem Stammcafé genießen. Gegen 11 Uhr treten Sie durch die Türe und bemerken sofort die vielen bekannten Gesichter. Aber das kennen Sie ja schon, von den ganzen Sonntagen zuvor.

Nachdem Sie sich die Zeitung genommen und einen Platz gefunden haben, harren Sie der Dinge die da kommen – müssten – nämlich jemanden vom nett anzusehenden Serviceteam zur Aufnahme Ihrer Bestellung. In den ca. 15 Minuten, die Sie nun mit Warten darauf verbringen, dass doch jemand vom nett anzusehenden Serviceteam Ihre hungrige Lage erkennt und etwas daran zu ändern versucht, schauen Sie aufmerksam in die Runde.

Sofort fällt Ihrem geschulten Auge auf, dass noch mehr Gäste in der selben Lage sind wie Sie, anscheinend neue Gäste, denn sie versuchen mit hektischen Kopfdrehungen und wildem Winken das nett aussehende Serviceteam auf sich aufmerksam zu machen. Als alter Hase wissen Sie genau, das bringt eh nichts. Das nett anzusehende Serviceteam ist viel zu sehr damit beschäftigt, die neuesten Trends zu diskutieren, wie ein Haufen Hühner ohne Sinn und Verstand im Raum umherzuirren, den Gästen beharrlich aus dem Weg zu gehen und trotzdem sehr beschäftigt auszusehen.

Irgendwann sehen Sie Ihre Chance und fangen jemanden vom nett anzusehenden Serviceteam auf dem Weg von der Modediskussion zum Pärchentratsch ab und können Ihre Bestellung aufgeben – einen Latte, ein großes Frühstück und eine Apfelschorle zur Überbrückung bitte.
 Letzteres ist wichtig, wenn Sie nicht verdursten wollen. Denn nachdem Ihre Bestellung bei den zuständigen Verpflegungssachbearbeitern abgegeben wurde, dürfen Sie sich nun auf eine durchschnittliche Wartezeit von 30 Minuten einrichten – außer bei Kaltgetränken, die gehen schneller.

Ihr Blick in die Runde identifiziert wieder fix neue Gäste… es sind wieder die, mit den hektischen Kopfbewegungen, wilden Gesten und einem „Fräulein“ oder „Junger Mann“, um so dem nett anzusehenden Serviceteam zu vermitteln, dass 60 Minuten Wartezeit auf ein kleines Frühstück nicht unbedingt akzeptabel sind.

Derweil hat auch das nett anzusehende Serviceteam die Arbeit wieder aufgenommen, zumindest rein äußerlich. Getränke und Speisen werden durch den Raum getragen und Teile davon wieder zurück zur Küche. Öfter hört man ein „Das habe ich nicht bestellt“ oder „Oh! War das nicht für Sie?“ gefolgt von dem allseits beliebten „Ich kümmere mich darum“.

Trotz langer Erfahrung konnten auch Sie bisher nicht herausfinden, nach welchen Kriterien das nett anzusehende Serviceteam die Speisen und Getränke auf die Gäste verteilt. Der Zettel mit Bestellungen und Tischnummern ist es jedoch meistens nicht. Vielleicht sind es ja Kriterien wie „der Latte macchiato passt perfekt zur braunen Jacke an 7“ oder „der Typ an 36 ist doch schon viel zu fett, da passt doch besser das Fitnessfrühstück zu“. Keine Ahnung. Sie wissen nur, dass Ihr Latte mittlerweile knapp 25 Minuten an der Theke nachreift und jemand vom nett anzusehenden Serviceteam mit einem Frühstück geradewegs auf sie zuhält, das definitiv nicht das bestellte „Große Frühstück“ ist. Mit einem Lächeln nehmen Sie einen Schluck Ihrer Apfelschorle und freuen sich auf die nun folgende Diskussion.

Frühstücken in Mönchengladbach kann ja so entspannend sein oder, Herr Rach?

Und beim nächsten Mal klären wir die Fragen…
wieso dauert es 30 Minuten, ein Gericht beim Mittagstisch zu servieren und weshalb investieren Mönchengladbacher Wirte nicht mal ein wenig Geld in die Schulung ihrer nett anzusehenden Servicemitarbeiter?

In diesem Sinne
Ihr Bissmarc

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10Oktober2008

Rote Lippen im Rosenmeer

Eingestellt von admin in: Die Glosse.

Am 19. November ist Welttoilettentag.

Kein Spaß: 2,5 Milliarden Menschen kennen keine Toiletten, wie wir sie benutzen.

Das Fehlen ausreichend hygienischer Sanitäreinrichtungen in den Entwicklungsländern hat gesundheitliche Folgen. Die Welttoilettenorganisation (WTO) bekämpft diesen Missstand durch Spendensammlungen und weitreichende Öffentlichkeitsarbeit. Unter Mottos wie „happy toilet,  healthy life“ gab es Großveranstaltungen des WTO bereits in Bangkok, Belfast und Peking.

Und welcher Ort wäre geeigneter, dieses Ereignis in Mönchengladbach zu begehen als das Restaurant Rosenmeer? Die dort befindlichen Urinale der Herrentoilette in Form eines knallroten Mundes waren Steingut des Anstoßes und Amüsements zugleich.

Die Gleichstellungsbeauftragte Bärbel Braun findet sie gar sexistisch: „Männer urinieren in einen Frauenmund“, sprach sie zur Rheinischen Post. Ja klar, kann man so sehen. Auch ich habe schon in einen dieser Münder uriniert – ich Sexist. Allerdings hatte ich dabei eher Respekt vor den bleckenden Zähnen und habe Kastrationsängste durchlebt anstatt Dominanzgefühle über das andere Geschlecht zu haben.

Aber so weit wollte die niederländische Designerin (!) Meike van Schijndel mit den Urinalen, die „Kisses“ heißen, sicherlich nicht gehen. Auch Frauen denken über solche Objekte eher unbeschwert und läuten nicht gleich die Diskriminierungsglocke.

Die Gleichstellungsbeauftragte müssen aber so reden: „Wenn ich auf der Damentoilette eine vergleichbare Darstellung von einem Männermund mit Schnäuzer entdeckt hätte, hätte ich kein Problem.“

Hallo? Das nenne ich stereotyp. Erstens: Wer trägt schon Schnäuz? Und zweitens: Wenn wir uns gegenseitig in den Mund urinieren, ist alles gut? Ihr zufolge ist der Geschäftsführer des Rosenmeer Ramzi Ben Said bei der Anschaffung der Urinale in eine Falle gelaufen, die „Sex sells“ heißt. Da haben wir es: eine triebgesteuerte Entscheidung also. Das reduziert den Mann auf seine Urinstinkte die keine reflektierten Entscheidungen zulassen. Das nenne ich einen echten Gleichstellungsgedanken.

Am 19. November wird es im Rosenmeer heiß hergehen. Zum Welttoilettentag haben sich dort einige Fernsehsender angesagt und beleuchten das Thema von allen Seiten. Bei roten Rosen, roten Lippen, rotem Wein.

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10Oktober2008

Rock ’n’ Roll im Unterhemd

Eingestellt von admin in: Die Glosse.

Andrea Peters über den Niedergang des deutschen Groupietums

Googelt man den Begriff „Groupie“ weltweit, bekommt man 7.790.000 Einträge. Beschränkt man sich auf Deutschland wirft der PC lediglich 474.000 Ergebnisse aus. Das sind so gesehen nur sechs Prozent des weltweiten Groupieaufkommens.

Die großen glamourösen Zeiten des Groupies scheinen vorbei zu sein. Die Parole der Stars lautet nicht mehr „Sex & Drugs & Rock ’n’ Roll“. Es gibt einfach keine wirklichen Kerle mehr, für die es sich lohnt, sich bis zur Bewusstlosigkeit in der ersten Reihe zu quetschen oder in Lobbys drittklassiger Hotels herumzulungern. Für Mick Jagger sind wir zu jung, für Tokio Hotel zu alt, Ben – niedlich aber langweilig – und selbst Robbie Williams lässt es nicht mehr ordentlich krachen.

Meine Groupie-Ambitionen wurden im Keim erstickt als ich 14 war. Da gab es zwei Männer, die mein Herz höher schlagen ließen. Der eine war Jim Morrison, der andere Sänger einer Boygroup. Jim Morrison war tot, der andere stand nicht auf Frauen.

Jetzt bin ich knapp über 30. Ich trage keine Zahnspange mehr und verdiene seit mehreren Jahren mein eigenes Geld. Ich bin oft auf Veranstaltungen, bei denen viel Prominenz aufläuft. Ich frage nie nach Autogrammen. Ich trage nie eine peinliche Digitalkamera mit mir herum. Nie würde mir einfallen, auch
nur einen von ihnen unmotiviert anzusprechen. Für ein Groupie-Dasein bin ich viel zu rational.

Letztens war ich auf einer Party. Auf dieser Party spielte eine Band. Und auf dieser Party merkte ich, dass es offensichtlich um mein abgeklärtes Dasein genauso schlecht bestellt ist wie um die deutsche Groupieszene. Es wurde im Null komma Nichts ausgehebelt; durch Schiesser-Feinripp. Ja, ja – Sie haben ganz richtig gehört: durch ein spießiges Unterhemd, gepaart mit Tattoos, Cowboyhut und Gitarre. Ich dachte mir: nett – endlich mal keine Band mit Choreografie von Detlef Dee Soost. Country – mal was anderes.

Aber bitte; deswegen werde ich doch jetzt nicht zu einer zweiten Marianne Faithfull. Wie? Ob ich Lust habe an der Hotelbar weiterzufeiern? Klar! Hey – ich bin schließlich nur einmal jung. Lasst uns die Bar demolieren, den Fernseher aus dem Fenster werfen und das Bett mit einer Axt zertrümmern: that’s Rock ’n’ Roll! Bei Sonnenaufgang hat meine Ratio mich und den Rock ’n’ Roll wieder im Griff. Gut – wir tanzten lang und wild, meine Klamotten und mein Atem sind von gestern, meine Haare sehen aus wie von vorgestern.

Nette Geschichte – aber ich mache mich doch nicht lächerlich und werde deshalb zum Groupie. Ich reise ja schließlich auch niemandem quer durch die Republik hin-terher. Ich stehe in Berlin. In der ersten Reihe. Der Berlin-Besuch war schon lange geplant, sonst, ich habe Zeugen dafür, wäre ich nicht hier. Ich bin doch nicht wahnsinnig und reise einer Band hinterher. Ich weiß nicht woran es liegt – es ist heiß hier drin. Ich schmelze genauso dahin, wie die einst besungene Eiscreme. Habe ich Fieber? Wieso hilft mir denn keiner? Nehmt doch den verdammten Cowboyhut weg. Oder die Gitarre. Zwei Nächte in kürzester Zeit, in denen mein Schlaf durch eine Überdosis Nikotin und Alkohol kompensiert wurde. Ich sehe aus wie 35 und fühle mich wie 45. Außerdem glaube ich, einen leichten Tinnitus zu haben.

Heute habe ich den Begriff Groupie noch einmal gegoogelt. Es waren 125 Einträge weniger. Es geht weiter bergab. Bei der Anstrengung wundert mich das nicht.

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29Juli2008

Der HINDENBURGER Test: Lebensmittelmärkte

Eingestellt von admin in: Essen & Trinken.

Wir lieben Lebensmittel oder?

Die allgegenwärtige Werbung suggeriert uns jeden Tag über alle Kanäle, je nach Marketingkonzept, dass man Lebensmittel liebt, irgendwo das Herz schlägt, man jeden Tag ein bisschen besser wird und natürlich seine Ware komplett im Griff hat, sei es beim Abwiegen oder bei der Markenkenntnis (256 Gramm Schinkenwurst – bitte sehr!) Dazu kommen dann noch Bilder von lächelnden glücklichen Kunden, poliertem Obst und blitzblanken Geschäften. Wer bekommt da nicht Lust, jetzt sofort zum Lebensmittelladen an der Ecke zu traben, um mal eben den eigenen Kühlschrank aufzufüllen?

Soweit die Werbestrategen. Wie aber sieht die Realität aus?

Der HINDENBURGERwollte herausfinden, wie es bei Mönchengladbacher Lebensmittelmärkten um Qualität, Sauberkeit und Kundenfreundlichkeit bestellt ist. Schaffen es die hiesigen Anbieter, der glänzenden Werbung und den gewünschten Images ihrer Marketingstrategen gerecht zu werden oder ist die Werbung auch hier das, was sie leider allzu oft ist: nichts als eine Fassade und schöne Sprüche ohne Inhalt.

Man sollte meinen, dass das Bewusstsein der hiesigen Anbieter in Zeiten gesteigerten Qualitäts- und Preisbewusstseins, in Zeiten von Bio- und Ökoprodukten und Lebensmittelskandalen geschärft und sensibilisiert ist. Aber die Ergebnisse unseres Tests auf den folgenden Seiten waren eher durchwachsen.

Natürlich gibt es einige Testteilnehmer, die unter mehr als widrigen Rahmenbedingungen arbeiten müssen. So zum Beispiel der in Bahnhofsnähe gelegene Rewe-Markt. Bedingt durch eigene Erfahrungen und sehr viele negative Kundenstimmen, nahm der HINDENBURGER mit der Konzernzentrale in Köln Kontakt auf und übermittelte eine Liste mit Mängeln. Neben Ordnung und Sauberkeit ging es hauptsächlich um die Qualität und Frische der angebotenen Produkte (Obst, Gemüse, Tiefkühlkost).

Unerwartet schnell folgte eine Reaktion Seitens des REWE Konzerns. Man nehme die Hinweise sehr ernst, wisse um die schwierige Situation gerade dieses Marktes und habe bereits erste notwendige Schritte zur Behebung der Situation eingeleitet. In einem persönlichen Vor-Ort-Gespräch wolle man detaillierter auf die Situation eingehen. Eine Woche später traf sich unser Redakteur vor Ort im Rewe Markt mit drei Vertretern des Konzerns (Abteilung Kommunikation, Leiter Qualitätskontrolle sowie Vertriebseiter) und dem betroffenen Marktleiter. Das Ergebnis ist nun sehr positiv veränderter Markt, der ein viel freundlicheres, vor allem aber saubereres Aussehen besitzt und dessen angebotene Produkte um ein vielfaches frischer und qualitativ besser sind als zuvor. Man erklärte ausführlich die schwierigen Rahmenbedingungen des Marktes (Bahnhofsrandlage, Obdachlosenproblematik etc.) und sagte zu, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Stichproben des Hindenburger und Kundenstimmen zeigen deutlich, dass die Kritik ernst genommen wurde und die qualitativen Verbesserungen nicht nur ein Strohfeuer waren.

Natürlich hätte es gar nicht erst zu dieser Beschwerde kommen dürfen, jedoch ist die Reaktion der Verantwortlichen ein gutes Beispiel dafür, dass Werbung manchmal doch nicht immer die Unwahrheit spricht.

Der HINDENBURGER wird die Situation – nicht nur in diesem Mönchengladbacher Lebensmittelmarkt – weiter im Auge behalten und regelmäßig darüber berichten. Sind Sie mit Ihrem Lebensmittelmarkt zufrieden? Stimmen Sie den Ergebnissen unseres Tests zu oder haben Sie andere Erfahrungen gemacht? Schreiben Sie uns und sagen Sie uns Ihre Meinung. Bitte vergessen Sie dabei nicht, uns den Namen und den Standort des Marktes mitzuteilen.

Text: Marc Thiele

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28Juli2008

Es ist kurz vor zwölf

Eingestellt von admin in: Die Glosse.

Andrea Peters plant früh, aber nicht früh genug.

Ich habe noch keine Silvester-Pläne. Aber ich sage es nicht. Vielleicht darf man Karfreitag nichts vorhaben oder am Totensonntag, aber wer Silvester nichts vorhat, ist auf jeden Fall der einsamste Mensch der Welt.

Am Ende muss nämlich noch mal was Großes kommen! Badewannen voll Champagner, Kaviarhäppchen auf dem Silbertablett, eine Riesenparty!

Irgendwo scheint es ein mir verborgenes Parallel-Universum zu geben, in dem zum Jahreswechsel Korken und Raketen knallen, sich alle glücklich in den Armen liegen, elegante Männer in Smokings Frauen in Seidenkleidchen küssen, Slingpumps geworfen, Krawatten gelockert und Havannas geraucht werden.

Bei mir endete es in den letzten Jahren immer damit, dass kurz vor zwölf rückwärts ins neue Jahr gezählt wurde und ich wildfremde Menschen mit Handy am Ohr („Hallo, hallo? Hörst Du mich – ja, die Verbindung ist so schlecht und es ist so laut hier!“) zu „Final Countdown“ geküsst und ihnen irgendwas gewünscht habe. Aber ich will mich nicht beschweren. Vor fünf Jahren habe ich die halbe Silvester-Nacht bei Minusgraden in einem Auto zugebracht. Vor zwei Jahren habe ich den ganzen Abend in einem Hausflur gestanden und mich mit einer anderen Person über unsere bis dato schlimmsten Schicksalsschläge ausgetauscht. Später bin ich durch eiskalte Straßen gelaufen, weil jemand sagte, dass irgendwo noch irgendwas geht. Letztes Jahr war ich nüchtern.

Das eigentliche Silvester-Problem ist, dass es schwieriger, ist eine ausreichende Anzahl Feierwilliger zu vereinen, als Tom Cruise zum Christentum zu bekehren. Die eine Hälfte will sich vor dem späten Nachmittag des 31. Dezember lieber noch nicht festlegen, zwei bis drei fallen nachwuchsbedingt aus („Sorry, aber sie zahnt!“) und der Rest hat bereits im Juli bei 25 Grad im Schatten die Skihütte für fünfzehn Leute gebucht („Dieses Jahr sind wir in Crans Montana – Bonne année!“). Das ist schon schade – aber ich bin doch nicht wahnsinnig und plane mein Silvester schon ein halbes Jahr im Voraus.

Ende August erstellte ich eine Liste. Auf diese Liste schrieb ich alle Freunde, die im letzten Jahre auf angeblich stinklangweiligen Partys waren und deshalb dieses Mal alles in kleinem Kreis zelebrieren wollen. Ganz ruhig. Ganz ruhig bedeutet: Kochen, essen und – wieso werde ich gerade nur so
müde? – Tischfeuerwerk. Eventuell aber auch Bleigießen.

Ende September brachte ich mich dort überall durch einen Anruf („Hallo, ich wollte mich mal wieder melden – wie war denn der Urlaub?“) in Erinnerung. Nebenbei erwähnte ich, dass ich Silvester noch nichts vorhätte und behauptete zur Freude aller, ich könne etliche Flaschen Veuve Clicquot (Magnumflaschen!) beisteuern.

Anfang Oktober freuten sich die Freunde nach wie vor, aber bei einem drohte der Herd bald zu explodieren („… und find’ mal zu dieser Jahreszeit schnell einen Elektriker …“), bei einer anderen lief dem Kind seit zwei Tagen die Nase und es muss noch abgewartet werden, ob sich daraus nicht womöglich bis Silvester Schlimmeres entwickelt. Ich kontaktierte vorsichtshalber alte Schulfreunde und nahe Verwandte.

Anfang November fragte ich die Freunde, ob Essen und Tischfeuerwerk noch aktuell seien, das Kind noch lebt und zählte die Sekunden, bevor sie „Aber sicher!“ riefen. Dauerte es mehr als drei Sekunden, strich ich sie von der Liste. Danach ging ich mein komplettes Adressverzeichnis im Handy durch (Telefon- und SIM- Kartenspeicher), rief alle an, mit denen ich noch nicht gesprochen hatte – verdammt, wer war noch gleich Marion Handy?“ – außerdem die Verwandten zweiten Grades.

Jetzt, Mitte November, kurz vor zwölf quasi, ist weder Champagner noch Kaviar in Sicht. Also werde ich Silvester zu Hause bleiben. Ich werde im Seidenkleid kochen, dabei Zigarre rauchen und meine Magnumflaschen abstauben. Dabei denke ich an Tom Cruise. Und wenn alle anderen am 1. Januar explodierte Herde putzen und hustend ihre Slingpumps suchen, fange ich schon mal mit den Silvester-Planungen für’s nächste Jahr an.

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28Juli2008

Kürbis und Prosecco

Eingestellt von admin in: Die Glosse.

Andrea Peters entdeckt die guten Seiten an Halloween

Der Chefredakteur hat gesagt: »Wir machen eine Herbst-Ausgabe mit Herbstthemen. Halloween zum Beispiel. Schreib doch was mit Halloween drin!« Ich wäre beinahe gestorben. Ich weiß doch gar nichts über Halloween. In dieser Beziehung bin ich wie meine Eltern zum Handy; nicht damit aufgewachsen aber irgendwie trotzdem genötigt, mich damit auseinanderzusetzen. Ja, ich weiß – Halloween ist einer dieser Tage, die in den letzten Jahren Karriere gemacht haben. So wie der Valentinstag und der Christopher Street Day. Trotzdem ist mir einfach unklar, warum man hier zu Lande auf einmal die Untoten feiern muss, und das, obwohl es seit Jahren nicht einmal mehr Sterbegeld gibt.

In meiner frühen Jugend gab es im Herbst nur ein paar dunkle Festtage, deren Event-Potenzial höchst begrenzt war. »Hallo, wir kommen wegen Sankt Martin.« Was für ein kläglicher Auftritt. Wir haben damals zu diesem Anlass so sinnreiche Zeilen gesungen wie: »Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir…« Irgend so etwas und zur Not auch noch »Rabimmel Rabammel Rabumm bumm bumm«.

Muss ich mehr sagen?

Ähnlich Geistreiches singt die Mehrheit heute nur noch für die Aussicht auf einen Plattenvertrag an bestimmten Tagen im Jahr. Staffelweise und vor Dieter Bohlen.Früher gab es bloß Mandarinen. Oder einen Weckmann. Vielleicht auch mal ein Snickers. Yuchhu. St. Martin ist einfach out. Nicht mehr hip genug. Was für Babys. Ein totaler Loser-Tag.

Halloween ist cool. Ein Riesenspektakel, soviel weiß ich. Leckereien ohne blödes Gesinge abzocken. Süßes, sonst Saures, so läuft das nämlich! Außerdem hat es was mit Geistern und Kürbissen zu tun.

Wegen Halloween hat der Kürbis eine Karriere gemacht, die man ihm vor einer Weile nicht ansatzweise zugetraut hätte. Hätten Sie mich beispielsweise vor fünfzehn Jahren nach Hokaido oder Ushiki-Kuri gefragt, hätte ich wahrscheinlich vermutet, dass es sich um Namen moderner japanischer Kampfsportarten handelt. Hokaido-Schule Stadtmitte e.V.. Oder um alternative fernöstliche Heilmethoden. »Harmonisieren sie ihre Lebensenergie mit Ushiki-Kuri.« Heute weiß ich, dass Hokaido in Wahrheit ein variabel einsetzbarer Riesenkürbis ist. Als Suppe, im Mürbeteig, serviert an Hiziki-Algen Möhren-Strudel, als Keramik-Fensterdeko bei Gabi im Nagelstudio oder mit Kerzen im Kopf, um böse Geister zu vertreiben.

Die Kürbislaterne heißt im US-Slang übrigens »Jack O‘Lantern«. Der Sage zufolge gab es da den feierwütigen Jack, einen Trunkenbold, den der Teufel holen wollte. Aber wie es in Sagen so ist, war der Teufel eher doof und wurde von Jack mehrmals reingelegt. Als Jack dann das Zeitliche segnete, ließ man ihn wegen seines lasterhaften Lebens nicht in den Himmel und in der Hölle wollte ihn der Teufel dann auch nicht mehr haben. Allerdings gab er ihm ein Stück glühende Kohle, damit er sich den Weg in die Hölle selbst suchen könne. Jack steckte das Kohlestück in eine ausgehöhlte Rübe und sucht als »Jack of the Lantern« bis heute nach dem Eingang zur Hölle.

Wow - sehen Sie; das wüsste ich alles wahrscheinlich nicht, wenn Halloween da geblieben wäre, wo es herkommt und ich etwas über Sankt Martin hätte schreiben müssen. Wie viel Rezeptideen gibt ein Weckmann schon her? Der kommt als Raucher mit seiner Tonpfeife momentan ja ohnehin politisch höchst unkorrekt daher. Außerdem fällt mir jetzt auch auf, dass die Feiern am 31. Oktober natürlich sehr schön die ganzen Karnevals-, 1. Mai-, Pfingst- und Nikolaus-Partys ergänzen.

Also wenn ich auf einmal richtig darüber nachdenke, finde ich Halloween tatsächlich nicht mehr ganz so schlecht. Wie bitte? Es gibt auf der Party auch Prosecco auf Eis? Umsonst für die beste Verkleidung? Ach ehrlich? Habe ich eben »nicht mehr so schlecht« gesagt? Wo ist mein Hexenkostüm? Her mit den Geistern! Trick or treat! Lasst uns feiern! Hoch lebe der Kürbis!

In diesem Sinne: Auf dich, Jack und Prost Halloween!

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28Juli2008

MG und Ich

Eingestellt von admin in: Die Glosse.

Andrea Peters über das Auf und Ab einer Langzeitbeziehung

MG und ich sind schon eine Ewigkeit zusammen. Alles in allem ist Mönchengladbach eine ziemliche Granate. Gut, wir sind nicht mehr so scharf aufeinander wie am ersten Tag, aber das kann man bei so einen langen Beziehung auch nicht erwarten.

Vier Dinge, die ich an MG mag:

  1. Gladbacher Knööp von Heinemann.
  2. Den Veilchendienstagszug an Karneval
  3. Den Bunten Garten im Mai
  4. Maracuja Korn im Gravel Pit für einen Euro.

Klar kenne ich auch die Macken von MG:

Seine Kopfsteinpflaster, in denen ich regelmäßig meine Absätze verliere, die Vier-Minuten-Rotphase am Bahnhof, wenn ich meinen Zug bekommen muss, den Baustellenschotter auf der Hindenburgstrasse, der mir nach dem Kopfsteinpflaster auch noch den Rest meiner Schuhe ruiniert.

Aber ich will nicht zickig sein. Im Großen und Ganzen behandelt Mönchen­gladbach mich gut und wir sind nett zueinander. Ich glaube mit fünf Schuhgeschäften in einem Radius von 200 Metern versucht MG mir auf verquere Art und Weise zu sagen, dass es ihm leid tut.

Eine Zeit lang geht dann auch immer alles gut und ich vergesse all die Schwierigkeiten und Probleme. Aber dann, plötzlich, von jetzt auf gleich, geht wieder nichts mehr und ich muss zusehen, wo ich bleibe. Dann rastet MG nämlich richtig aus, ist wankelmütig, quengelt und schreit rum: »Ich weiß nicht, was ich will, ich will’s aber anders.« »Keiner versteht mich.«

Zwei Hauptbahnhöfe, Betonpoller am Nordpark ja, Betonpoller am Nordpark doch nicht mehr; Skihalle vielleicht, aber nein, lieber doch nicht und: Was zum Kuckuck hat es sich eigentlich dabei gedacht, das schöne Ortseingangsschild mit den zwei Herzen drauf zu ersetzen? Spinnt es jetzt völlig?

Deshalb kann ich MG auch nicht so bedingungslos und blind vertrauen wie ein Nordkurvler dem VFL letzte Saison.

MG und ich – wir stehen uns nahe, aber wir machen uns übereinander keine Illusionen. Manchmal bin ich nahe dran, mit MG endgültig Schluss zu machen. Dann fahre ich in eine fremde Stadt. Ich habe eine klitzekleine Flirterei mit HH, vergnüge mich hemmungslos in D. oder mache B. schöne Augen. Hin und wieder ergibt sich daraus dann auch ein One-Week-Stand.

Aber sobald es ernster wird, stelle ich fest, dass mir Mönchengladbach irgendwie doch besser gefällt und ich komme zurück.

Ach ja, das Fünfte, was ich an MG mag: Es ist mein Zuhause

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23Juli2008

Früher war alles Besser

Eingestellt von admin in: Bissmarc.

…ist ein weit verbreitetes Wort, wenn man zum Ausdruck bringen möchte, dass man mit einer aktuellen Entwicklung oder einem speziellen Vorkommnis nicht zufrieden oder einverstanden ist.

Früher war alles besser möchte man auch meisten sagen, wenn man durch Mönchengladbach läuft, mit Mönchengladbachern spricht oder von Ortsfremden eine Meinung zu Mönchengladbach bekommt.

Unter gewissen Aspekten und unter totaler Ignoranz der gesellschaftspolitischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte muss man den Leuten Recht geben, die sich die gute alte Zeit zurück wünschen…. Zumindest wenn es nicht allzu weit zurück geht, die 70er oder 80er Jahre wären ganz gut.

Sicher Probleme gab es damals auch aber zumindest hatten wir dank innovativer und mutiger Gastronomen eine tolle Altstadt in die Menschen von nah und fern strömten, wir hatten dank engagierter Einzelhändler mit lokalen Wurzeln eine aufregende und lohnenswerte Einkaufsmeile in beiden Stadtkernen und wir hatten natürlich einen Fußballverein, der damals dauerhaft erstklassig war und wahre Sportlegenden hervorbrachte.

Lange Jahre zehrte Mönchengladbach vom „Guten Ruf der Vergangenheit“ aber auch diese Zeiten sind schon länger vorbei. Heute ist es fast schon erschreckend wie unsere Stadt sich in eine Richtung entwickelt, die jedermann klar erkennen kann und gegen die doch niemand etwas unternimmt.

Unser Einzelhandel hat aufgegeben, Qualität und Kompetenz werden durch Pennyshops und Telefonläden ersetzt die sich wie Krebsgeschwüre langsam die Schlagader Hindenburgstraße hocharbeiten, unsere Verwaltung und Politik verzetteln sich in Ideen die hohe Erwartungen wecken, viel Protest hervorrufen, Unruhe in die Stadt bringen und schlussendlich dann doch immer wieder im Sande verlaufen, viele unserer Gastronomen haben ihren Mut und ihren Ideenreichtum verloren und unsere Mitbürger haben sich damit abgefunden, dass Mönchengladbach unattraktiv, langweilig, dreckig und trostlos ist. Klingt ein wenig wie eine Kolonie Lemminge auf dem Weg zur Klippe oder?

Was kann man denn auch von einer Stadt erwarten, deren ganzes Selbstbewusstsein auf der Positionierung eines Sportvereins basiert, deren Zukunftshoffnung auf einem Betonklotz mitten in der Stadt ruht, die innerlich zerstritten ist wie Deutschland zu den besten Zeiten des kalten Krieges und die alles daran setzt, den einzigen Stadtteil mit echtem Potential – nämlich die Altstadt in ein Wohngebiet zu verwandeln.

Mein Vorschlag wäre eine Mischung aus etwas Mut und etwas Trotz, gepaart mit viel Engagement, etwas Geld und einem guten Schuss Willen tatsächlich etwas zu verändern, das allen zu gute kommt. Das erfordert Umdenken auf allen Seiten, quasi eine große Koalition über alle Grenzen hinweg und natürlich kompetente und engagierte Mitarbeiter in der Verwaltung, die auch in Mönchengladbach Dinge ermöglichen, die in anderen Städten längst alltäglich sind.

Einen Anfang für etwas Positives und Neues haben wir mit dem HINDENBURGER gemacht. Hier zeigen wir unseren Lesern auf 99.9% unserer Inhaltsseiten, was unsere Stadt zu bieten hat, welche Potentiale bestehen und dass es nicht ganz so schlecht um Mönchengladbach steht wie alle denken. Diese 0.1% hier werden aber in Zukunft dazu dienen, auch die anderen Seiten der Medaille anzugehen und dabei auch kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Sie dürfen auch gerne Ihren Meinung sagen…. hier in unserem Blog haben Sie die Möglichkeit, sich aktiv zu beteiligen und zu sagen, was Ihnen auf dem Herzen liegt.

In diesem Sinne bis zum nächsten Mal

Marc Thiele

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