10Oktober2008
Ein Fall für den Rach
Eingestellt von admin in: Bissmarc.
Es ist Sonntag. Sie möchten wie immer ein leckeres Frühstück in Ihrem Stammcafé genießen. Gegen 11 Uhr treten Sie durch die Türe und bemerken sofort die vielen bekannten Gesichter. Aber das kennen Sie ja schon, von den ganzen Sonntagen zuvor.
Nachdem Sie sich die Zeitung genommen und einen Platz gefunden haben, harren Sie der Dinge die da kommen – müssten – nämlich jemanden vom nett anzusehenden Serviceteam zur Aufnahme Ihrer Bestellung. In den ca. 15 Minuten, die Sie nun mit Warten darauf verbringen, dass doch jemand vom nett anzusehenden Serviceteam Ihre hungrige Lage erkennt und etwas daran zu ändern versucht, schauen Sie aufmerksam in die Runde.
Sofort fällt Ihrem geschulten Auge auf, dass noch mehr Gäste in der selben Lage sind wie Sie, anscheinend neue Gäste, denn sie versuchen mit hektischen Kopfdrehungen und wildem Winken das nett aussehende Serviceteam auf sich aufmerksam zu machen. Als alter Hase wissen Sie genau, das bringt eh nichts. Das nett anzusehende Serviceteam ist viel zu sehr damit beschäftigt, die neuesten Trends zu diskutieren, wie ein Haufen Hühner ohne Sinn und Verstand im Raum umherzuirren, den Gästen beharrlich aus dem Weg zu gehen und trotzdem sehr beschäftigt auszusehen.
Irgendwann sehen Sie Ihre Chance und fangen jemanden vom nett anzusehenden Serviceteam auf dem Weg von der Modediskussion zum Pärchentratsch ab und können Ihre Bestellung aufgeben – einen Latte, ein großes Frühstück und eine Apfelschorle zur Überbrückung bitte.
Letzteres ist wichtig, wenn Sie nicht verdursten wollen. Denn nachdem Ihre Bestellung bei den zuständigen Verpflegungssachbearbeitern abgegeben wurde, dürfen Sie sich nun auf eine durchschnittliche Wartezeit von 30 Minuten einrichten – außer bei Kaltgetränken, die gehen schneller.
Ihr Blick in die Runde identifiziert wieder fix neue Gäste… es sind wieder die, mit den hektischen Kopfbewegungen, wilden Gesten und einem „Fräulein“ oder „Junger Mann“, um so dem nett anzusehenden Serviceteam zu vermitteln, dass 60 Minuten Wartezeit auf ein kleines Frühstück nicht unbedingt akzeptabel sind.
Derweil hat auch das nett anzusehende Serviceteam die Arbeit wieder aufgenommen, zumindest rein äußerlich. Getränke und Speisen werden durch den Raum getragen und Teile davon wieder zurück zur Küche. Öfter hört man ein „Das habe ich nicht bestellt“ oder „Oh! War das nicht für Sie?“ gefolgt von dem allseits beliebten „Ich kümmere mich darum“.
Trotz langer Erfahrung konnten auch Sie bisher nicht herausfinden, nach welchen Kriterien das nett anzusehende Serviceteam die Speisen und Getränke auf die Gäste verteilt. Der Zettel mit Bestellungen und Tischnummern ist es jedoch meistens nicht. Vielleicht sind es ja Kriterien wie „der Latte macchiato passt perfekt zur braunen Jacke an 7“ oder „der Typ an 36 ist doch schon viel zu fett, da passt doch besser das Fitnessfrühstück zu“. Keine Ahnung. Sie wissen nur, dass Ihr Latte mittlerweile knapp 25 Minuten an der Theke nachreift und jemand vom nett anzusehenden Serviceteam mit einem Frühstück geradewegs auf sie zuhält, das definitiv nicht das bestellte „Große Frühstück“ ist. Mit einem Lächeln nehmen Sie einen Schluck Ihrer Apfelschorle und freuen sich auf die nun folgende Diskussion.
Frühstücken in Mönchengladbach kann ja so entspannend sein oder, Herr Rach?
Und beim nächsten Mal klären wir die Fragen…
wieso dauert es 30 Minuten, ein Gericht beim Mittagstisch zu servieren und weshalb investieren Mönchengladbacher Wirte nicht mal ein wenig Geld in die Schulung ihrer nett anzusehenden Servicemitarbeiter?
In diesem Sinne
Ihr Bissmarc